Digitales Marketing: nicht alles, was glänzt, rentiert sich auch

Digitales Marketing: Innovation, dort, wo es Sinn macht

Virtual Reality, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz – das Marketing soll immer und überall vorne mit dabei sein und Trends voraus geben und voraussehen. Doch wie notwendig ist das Leben direkt am Hype?

Digitales Marketing: ein Leben im Hype-Zyklus

Gartners Hype-Zyklus digitaler Trends hat eine steile Kurve gen Himmel (die sogenannte „Spitze der überzogenen Erwartungen“) und eine ebenso steile Kurve in das sogenannte „Tal der Enttäuschung“. Das bezeichnet die vielen Erwartungen, die eine Innovation letzten Endes nicht erfüllen konnte. Erst nach diesem Tal erfolgt entweder das Ende der Technologie oder aber die Etablierung im Mainstream.

Schaut man sich den Zyklus Jahr für Jahr an, fällt vor allem eines auf: bis zur Spitze reiht sich eine Innovation an die nächste und danach wird es einsam. Kann es etwa sein, dass nicht jeder Hype einen nachhaltigen Nutzen hat?

Grafik: Hype Cycle Trends Gartner

In meinem heutigen Beitrag möchte ich entsprechend eine steile These aufstellen:

Das Marketing muss nicht jeden Trend mitmachen

Und bevor ich mir vorwerfen lassen muss, dass ich dem Fortschritt im Weg stehe und zu den ewig Gestrigen gehöre, möchte ich kurz erläutern, was ich damit meine.

Kürzlich in einem Xing-Forum zum Thema Marketing wurde das Thema Virtual Reality erläutert und für Marketing-Zwecke empfohlen. Als Beispiel wurden Möglichkeiten genannt, ein Automodell am Computer in 3D nach seinen eigenen Wünschen zu erstellen. Das Problem daran: das Beispiel hat mit Virtual Reality ungefähr so viel zu tun wie das Tamagotchi mit dem Internet der Dinge. 3D-Modelle am Computer mögen virtuell sein, gehören aber nicht der virtuellen Realität an, denn die sähe so aus, dass der Nutzer die Illusion hätte, der Wagen stünde direkt im Wohnzimmer.

Digitale Trends werden voreilig umgesetzt

Neue Trends, insbesondere, wenn sie technisch bereits ausgereift sind, aber ihr Zweck noch nicht ganz ersichtlich ist, sind zwar oftmals aufregend, können jedoch auch dafür sorgen, dass sich viele Digital-Evangelisten verrennen und auf das falsche Pferd bzw. die falsche Technologie setzen.

Anfang des. 21. Jahrhunderts wurde beispielsweise die Online 3D-Welt Second Life, eine Art virtuelle Umgebung, in der Nutzer spielen, kommunizieren und sogar handeln konnten, mehrfach an Unternehmen, Bildungs- und Kultureinrichtungen als das große neue Marketing-Tool verkauft. Unzählige Stunden und Gelder wurden in die Erstellung eines Second Life-Auftritts investiert. Am Ende wurden die Projekte wieder eingestellt, da der Hype nur beim Hype blieb. Das Fazit: ein netter Versuch, ohne Wirkung.

Ähnlich sieht es aktuell mit Themen wie Snapchat, virtueller Realität oder auch dem Internet der Dinge aus. Während das soziale Netzwerk Snapchat zwar attraktiv für junge Leute ist und imposante Nutzerzahlen aufweist, ist es nahezu naiv, seinem Marketing-Team nun ein Snapchat-Konto aufzuzwingen, ohne zu überlegen, ob die eigene Zielgruppe wirklich dort vertreten ist und ob die Grundlagen dieses Netzwerkes für das eigene Unternehmen und dessen Angebote geeignet ist.

Die virtuelle Realität ist noch nicht im Alltag angekommen

Virtuelle Realität und das Internet der Dinge sind derweil zwar die großen Themen des Internets, sind jedoch in vielen Bereich noch nicht ausgereift genug, um wirklich weitgreifend eingesetzt zu werden. So gibt es bereits einzelne Konzepte, die virtuelle Realität in stationären Läden mit magischen Spiegeln einzusetzen, indem die Kundin beispielsweise ihr Spiegelbild mit verschiedenen Kleidermodellen ausstatten kann, ohne sich selbst umzuziehen. Aber ansonsten gibt es kaum Einsatzmöglichkeiten. Wo, außerhalb des Gaming-Marktes, gäbe es beispielsweise einen praktischen Gebrauch für VR-Headsets wie Oculus Rift?

Erschwert wird übrigens eine pragmatische Einschätzung dieser Trends dadurch, dass die „Statistiken“ dieser Themen oftmals lediglich aus Prognosen bestehen (also hypothetische und oft sehr optimistische Umsätze, die zukünftig gemacht werden könnten).

Das Internet der Dinge passt selten ins Marketing-Konzept

Das Internet der Dinge ist derweil schon ein paar Schritte weiter, sollte jedoch trotzdem mit Vorsicht genossen werden und zwar nicht, weil es kein Potenzial hat, sondern vielmehr, weil es speziell für das Marketing aktuell kaum Einsatzmöglichkeiten birgt. Abgesehen von Gadgets wie dem Dash-Button von Amazon, würden mir spontan kaum Endgeräte des Internet der Dinge einfallen, bei denen ich als Konsumentin Werbung akzeptieren würde. Mit einer Ausnahme: dem Smartphone. Das kann man mittlerweile jedoch kaum als die neue Innovation auf dem Markt bezeichnen, zumal ja die Tech-Evangelisten etwas anderes meinen, wenn sie vom Internet der Dinge reden.

Ein Marketing-Experte sollte immer ein Auge auf neuen Technologien haben und die Entwicklungen mitverfolgen. Das ist sicher eine der wichtigsten Aufgaben, um nicht im Jahr 2017 immer noch ein Myspace-Profil zu pflegen. Doch sich mit Trends, Innovationen und neuen Technologien auszukennen und wirklich alle im eigenen Unternehmen umzusetzen sind zwei Paar Schuhe, die nicht unbedingt gleichermaßen passen.

Marketing-Trends müssen verstanden und dann erst umgesetzt werden

Ich kann ein kleines Beispiel aus unserem eigenen Unternehmen nehmen: Big Data und Data Analytics sind für viele Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung Kernthemen geworden. Viele haben jedoch Probleme, diese Themen auch konstruktiv umzusetzen, weil einerseits die Expertise fehlt und andererseits die notwendigen Tools (denn eine Datenanalyse lässt sich nicht mal eben mit Excel erstellen). Dieses Problem ist so vorherrschend, dass die Begriffe „Big Data“ und „Data Analytics“ mittlerweile fast zu Buzzwords bzw. leeren Phrasen geworden sind, weil sie jeder nutzen soll, aber kaum jemand weiß, wie.

Wir wollten jedoch keine Phrasen dreschen, sondern unseren Kunden mit Business Intelligence und Customer Analytics aushelfen und haben uns deshalb 2016 mit dem Business Intelligence-Beratungsunternehmen Insight Dimensions zusammengeschlossen, damit aus der Phrase „Big Data bringt Ihr Unternehmen voran“ auch ein echter Mehrwert für unsere Kunden entstehen konnte, inklusive Tools, Expertenwissen und Erfahrungsschatz.

Diese Herangehensweise sollte bei allen Trends gelten:

  1. Trends frühzeitig identifizieren
  2. Trends im Kontext der eigenen Zielgruppen und Unternehmensmodelle bewerten
  3. Basiswissen und Praxiserfahrung des Trends einholen bzw. aufbauen
  4. Trends nur dann intern umsetzen, wenn klare Mehrwerte definiert werden können

Ein netter Nebeneffekt dieser Methode? Der große digitale Wandel wird dadurch nicht weniger spannend, aber entspannter, da man zwar immer noch alle Themen überwacht, aber nicht mehr jedes auf Biegen und Brechen umsetzen muss.

Apropos Data Analytics: erfahren Sie, wie Sie mit der richtigen Datenanalyse Ihre Kundenerlebnisse optimieren können.

 

CTA Download Whitepaper

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.