E-Health-Trends: Wearables sind nicht der einzige Trend im E-Health-Bereich

Die aktuellen Trends im E-Health-Bereich

Der moderne Patient hat mit dem modernen Kunden viel gemein. Er kann sich durch soziale Netzwerke und Suchmaschinen besser informieren. Manchmal sogar etwas zu viel – die Angst der Ärzte vor diesem Phänomen hat mit Dr. Google bereits einen eigenen Namen. Zusätzlich erwartet er durch den Einsatz mobiler Endgeräte mehr Flexibilität, wenn es um Informationen und Services geht. Doch wie begegnet die Branche den Kundenwünschen?

E-Health: Der Nutzer bestimmt den Kurs

„Unter E-Health fasst man Anwendungen zusammen, die für die Behandlung und Betreuung von Patientinnen und Patienten die Möglichkeiten nutzen, die moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten.“ (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)

Neben der Informationsfreiheit, die der moderne Patient durch Online-Portale und -Foren genießt, wächst auch die Nutzung von Wearables, also smarten Geräten, die die Erhebung von Gesundheitsdaten (Bewegung, Schlaf, Puls, etc.) mit Datenanalysen kombinieren. Der moderne Patient will also mitbestimmen, wenn es um seine Gesundheit geht. So nutzen Bitkom zufolge aktuell immerhin 31% aller Deutschen ab 14 Jahren einen Aktivitäts-Tracker. Und auch die Verwendung von Gesundheits-Apps wächst. So hat das Beratungsunternehmen Price Waterhouse & Cooper in einer Studie (via Forbes.com) herausgefunden, dass Gesundheits-Apps zu den populärsten Apps gehören. Einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK zufolge benutzen in Deutschland immerhin 28% aller Internetnutzer Apps oder Fitness-Tracker für Ihre Gesundheit bzw. sportliche Aktivitäten.

Wir bei der ec4u beschäftigen uns regelmäßig mit den neusten Themen und Trends im Life Sciences und E-Health-Bereich, insbesondere auf unserem Life Science-Blog. Und weil ich so dicht an der Quelle sitze, habe ich den Blog-Autor und Health-Experten Gregor Börner gleich persönlich gefragt, welche Trends für ihn im E-Health-Bereich besonders spannend sind.

  1. Mobil und im Self-Service

Der moderne Patient möchte schneller und flexibler informiert werden. Er will nicht für jeden Einblick in seine Patientenakte zum Arztgehen. Er zieht es vor, Ergebnisse unabhängig von Zeit und Ort einsehen zu können – natürlich unter Berücksichtigung des Datenschutzes.

Entsprechend stehen Ärzte und Pflege-Anbieter unter Druck, ihre Services auch außerhalb der Praxis bzw. außerhalb der 1-1-Kommunikation anzubieten.

Unter dem Begriff „Self-Service“ versteht man im digitalen Bereich dabei Angebote, die dem Nutzer online 24/7 zur Verfügung stehen und einfache Dienstleistungen anbieten.

Gregor Börner sieht hier diverse Startups, die diese Entwicklung im Kundenbereich vorantreiben, gefördert von den klassischen Akteuren der Branche: Pharma, Krankenkassen, etc. Aber auch die klassischen Akteure selber sind inzwischen vielfach auf dem Weg der Digitalisierung.

Bei der DAK kann man sich beispielsweise online registrieren und so Informationen abrufen, Dokumente ausfüllen, Bonuspunkte überwachen und Bescheinigungen beantragen und ausdrucken. Die Technische Krankenkasse bietet derweil an, Rechnungen und Krankmeldungen online einzureichen, die Terminplanung zu organisieren oder den Bearbeitungsstand von Anträgen zu überwachen.

Im Startup-Bereich gibt es derweil Lösungen, die Herzinfarkte vorbeugen und Risiken frühzeitig erkennen sollen, Schwangerschaftsbegleiter und Apps, die beispielsweise den Alltag als Diabetiker erleichtern oder Therapiefortschritte dokumentieren und optimieren können (eine interessante Auswahl an Startups gibt es hier).

Der Arzt wird hier weniger ersetzt, sondern der Alltag des Patienten wird besser dokumentiert und geregelt und kann auf Patientenwunsch sogar mit dem Arzt geteilt werden, so dass dieser einen besseren Einblick in das Leben seines Patienten hat und entsprechend genauer diagnostizieren kann.

  1. Telemedizin – die neue Kommunikation

Telemedizin an sich – also Diagnostik und/oder Therapie über eine räumliche oder zeitliche Distanz hinweg – ist kein neuer Begriff. Allerdings eröffnet der digitale Wandel zahlreiche neue Möglichkeiten, um das Konzept der Telemedizin zu revolutionieren. Dabei steht jedoch häufig der Balanceakt zwischen praktischer Anwendung und Datenschutz im Weg.

So ist die Nutzung von WhatsApp von Apotheken zur Übermittlung von Rezepten immer noch ein heikles Thema: gegenwärtig ist am Ende immer noch die Papierform nötig.

Doch das Feld der Telemedizin profitiert von der vermehrt digitalen Kommunikation, die durch Videochat- und Telefondienste immer attraktiver wird.

Zwar gibt es durch das Fernbehandlungsverbot noch einige Hürden für die Telemedizin, doch im digitalen Wandel werden auch hier die Grenzen immer mehr aufgeweicht. In Baden-Württemberg wurde das Verbot von Fernbehandlungen (mehr dazu hier) beispielsweise bereits gekippt, um so nicht nur beratende Gespräche mit dem Arzt, sondern auch Behandlungen via Telefon oder Online-Plattform zu ermöglichen. Gregor Börner glaubt, dass die gesetzliche Entwicklung in Deutschland sich zukünftig etwas schneller bewegen wird als sie es bislang getan hat. Nicht zuletzt, da Patienten wie Ärzte, Anbieter, etc. gleichermaßen davon profitieren können. Je schneller und eher sich das Gesetz unter Berücksichtigung des Daten- und Patientenschutzes an die digitalen Möglichkeiten (und den gelebten Alltag) anpasst, desto vielfältiger kann hier die Patientenbetreuung ausfallen.

  1. Die elektronische Patientenakte

Geplant ist die elektronische Gesundheitskarte bereits seit einigen Jahren. Das Konzept der Gesundheitskarte ist einfach: Alle wichtigen Informationen zum Patienten (Behandlungen, Befunde und Patientendaten) werden auf der Karte (bzw. in einer zentralen Datenbank für die die Karte der Zugangsschlüsse ist) gespeichert und anstelle der klassischen Krankenkarte mit jedem Arztbesuch bei der entsprechenden Praxis synchronisiert.

Gregor Börner erläutert hierzu: „Was ist das Versprechen der eGK bzw. der EHR?

  • Vermeidung von Doppeldiagnosen (inklusive der Belastung für den Patienten, wenn ein Knie beispielsweise zweimal geröntgt wird)
  • Notfalls-Pass (Informationen zu Allergien, Kontaktpersonen und aktueller Medikamente im Falle eines Notfalls)
  • Medikamenten-Wechselwirkungen
  • Basis für integrierte Versorgung (gemeinsam durch diverse Leistungserbringer wie beispielsweise in der Onkologie: Apotheke, Onkologe, Pflegedienst, Krankenhaus, etc.)“

So kann vermieden werden, dass der Patient bei jeglicher Pflege, Betreuung oder ärztlichen Behandlung auf seine gesamte Krankenhistorie hinweisen muss bzw. dass die Kommunikation und der Informationsaustausch zwischen Krankenkassen und Ärzten lückenhaft ausfällt. Fehler, falsche Medikamente oder doppelte Behandlungen können so vermieden werden.

Bislang hat sich jedoch die aktive Umsetzung der digitalen Krankenakte stark verzögert. Zu den Gründen meint Gregor Börner:

„Sicher war eine der Gründe für die Verzögerungen, dass eine Vielzahl von beteiligten und teilweise gegensätzlichen Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen. Dass dabei vorerst nur ein kleinster gemeinsamer Nenner als Konsens gefunden wurde, kann man bedauern, da so nicht im Ansatz die Möglichkeiten ausgeschöpft werden können, die in der Idee einer elektronischen Gesundheitskarte stecken – auch und insbesondere für den Patienten.“

  1. Wearables & das Internet der Dinge

Neben den Aktivitäts-Trackern bieten Wearables und auch das Internet der Dinge Möglichkeiten, die weit über dem Messen und Analysieren von Schritten/Tag liegen. Einige Beispiele und die Möglichkeiten für den Nutzen und Einsatz von Wearables können auf dem Life Science-Blog nachgelesen werden.

Für Gregor Börner liegt die Innovation dabei nicht in neuen Anwendungsmöglichkeiten, sondern in der Verknüpfung verschiedener Bereiche:

„Spannend ist sicher die zunehmende Vernetzung, die aber noch in den Kinderschuhen steckt: bisher war der GPS-Tracker Runtastic ein Silo für Bewegung, die Gesundheits-App Withings für die Waage und Weight Watchers für die (richtige) Ernährung. Apple Health (die App) stellt nun aber eine Plattform bereit, um diese Information zusammenzubringen und auch wieder an die einzelnen Apps zurückzuspielen so dass erstmalig ein Gesamtbild sichtbar wird, ohne dass man sich an einen Anbieter binden muss. Das wird sich höchstwahrscheinlich weiterentwickeln, inklusive einer Standardisierung des Datenaustauschs – auch über Hersteller hinweg.“

Zusätzlich bewegen sich viele Wearables aktuell noch im Sport- bzw. im Hobbybereich. Auch hier sieht Gregor Börner eine Weiterentwicklung, die unvermeidbar ist:

„Bisher ist das ja eher was für Gesundheits- und Sportfanatiker (bzw. für normale Leute um, sich selber zu motivieren). Aber noch fehlt die Verknüpfung zur Medizin bzw. der medizinischen Nutzung. Hier erwarte ich neue Ideen, sobald die Interoperabilität, also die sinnvolle Verknüpfung von Freizeit und Gesundheit gegeben ist.“

Lust auf mehr? In unserer Studie haben wir weitere Gesundheits- und Life Sciences-Experten befragt und die aktuellen Trends ermittelt, die E-Health-Technologien in den nächsten Jahren beschäftigen werden.

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