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Social Selling ist Privatsache, oder? Jein. Zwar muss jeder Mitarbeiter selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang er über Social Media-Kanäle auch beruflich präsent ist, aber Unternehmen können Ihre Angestellten sehr wohl dabei unterstützen, wie Influencerin und Moderatorin Céline Flores Willers im Interview erklärt.

Am 23. Mai 2019 fand erstmalig die virtuelle Konferenz Digital Thoughts statt. Im Rahmen dessen hat Sabine Kirchem, Senior Manager Corporate Communications bei der ec4u, Interviews mit Führungskräften aus Marketing, Sales, Service und IT geführt und sie zu Themen der Digitalisierung befragt. 


Der „Influencer“ ist grundsätzlich ein Meinungsführer.

Sabine Kirchem (SK): Eins vorweg, was versteht man denn eigentlich unter „Influencer“ und dann auch noch auf einem eher beruflichen Portal wie LinkedIn?

Céline Flores Willers (CFW): Der „Influencer“ ist grundsätzlich ein Meinungsführer. Den kennen wir aus der Offline- und aus der Online-Welt, online dann auch auf verschiedenen Plattformen.

Ist man beispielsweise eine Influencerin auf Instagram, dann bewirbt man eher B2C-Produkte oder behandelt Mode- und Lifestyle-Themen. Auf LinkedIn dreht sich derweil alles um die Business-Welt.

SK: Wie bist Du zur LinkedIn-Influencerin geworden?

CFW: Ich habe vor meiner Selbstständigkeit bei Ernst & Young gearbeitet und Projekte zum Thema Innovation und Entrepreneurship belgeitet. Da ist mir die Idee gekommen, dass es cool wäre, diese Themen online auf eine Plattform zu bringen.

Instagram war dafür nicht wirklich richtig, YouTube war bereits zu besetzt und dann ist mir LinkedIn eingefallen. Ich habe da einen gewissen „blinden Fleck“ getroffen, da es zu dem Zeitpunkt noch wenig bis gar keine Leute gab, die exklusiv für LinkedIn ihren eigenen Content kreiert haben. Das habe ich genutzt, mir eine Kamerafrau gesucht, mich an die Arbeit gemacht und die ersten Videos gepostet.

SK: Warum hast Du Dich für LinkedIn und nicht für Xing entschieden?

CFW: Xing wird hauptsächlich im deutschsprachigen Raum genutzt. Wenn man auch mal international unterwegs sein möchte, dann sollte man sich unbedingt auch ein LinkedIn Profil zulegen.

Bei LinkedIn kann jeder Nutzer Videos und Artikel teilen – das ist bei Xing nur ausgewählten Insidern gestattet. So stellt Xing sicher, dass alle Inhalte redaktionell geprüft und wertvoll sind. Beides hat Vorteile und Nachteile.

Bisher war ich vor allem auf LinkedIn aktiv, wurde nun aber auch zu den Xing Insidern hinzugefügt. Daher werdet Ihr in Zukunft auch auf Xing Artikel und Videos von mir finden. Bin gespannt wie sich die Plattformen weiterentwickeln.

Es ist wichtig nicht nur Textbeiträge zu posten.

SK: Was verstehst Du unter Content auf einer Plattform wie LinkedIn?

CFW: Für mich sind drei verschiedene Medienträger relevant: Artikel, Videos und Bilder. Es ist wichtig nicht nur Textbeiträge zu posten, sondern auch den Text mit visuellem oder audiovisuellem Content zu verbinden.

Das Ganze ergänze ich um einen kleinen Teaser-Text, der über dem Video oder Bild angezeigt wird. Das kann eine kurze Zusammenfassung sein oder die persönliche Meinung zum Thema wiedergeben. Und natürlich darf auch die knackige Headline nicht fehlen.

SK: Würdest Du Dich dabei als Multiplikatorin oder als Expertin beschreiben, wenn Du so auf Deinen Content, aber auch auf die Themen schaust, die Du präsentierst?

CFW: Sowohl als auch. Ich habe bei Ernst & Young sehr viel über Innovationsmanagement gelernt, darin bin ich also definitiv Expertin.

Aber ich arbeite auch als Multiplikatorin, wenn ich beispielsweise über Trends lese, wie etwa KI-Anwendungen oder die Blockchain-Technologie. Darin bin ich mit Sicherheit keine Expertin, aber ich teile diese Themen und bereite sie verständlich auf, weil sie für meine Zielgruppe spannend sind. Damit stelle ich für meine Follower eine Art Filter dar, indem ich aus den Unmengen an Content für sie das interessanteste auswähle.


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SK: Bist Du Vollzeit-Influencerin oder machst Du das nebenbei?

CFW: Eigentlich sollte ich das Fulltime betreiben, es gibt so viel zu tun. Aber ich mache nicht nur das, sondern arbeite auch als Moderatorin und baue gerade meine eigene strategische Beratung für innovative Kommunikation auf.

Das eine unterstützt das andere, da ich zu den Themen, die ich auf LinkedIn platziere, dann auch Aufträge und Anfragen erhalte, durch die ich wiederum Erfahrungen sammele. Das ergänzt sich ganz gut.

Das bin ich selbst, 100%.

SK: Wie viel „Céline“ steckt in der Influencerin auf LinkedIn?

CFW: Das bin ich selbst, 100%. Ich würde nie etwas posten, was ich nicht selbst vertrete oder woran ich kein Interesse habe. Dabei bin ich auch gerne mal kontrovers. Mit Sicherheit passt das nicht jedem, aber das ist für mich „fine“. Ich würde mich niemals verbiegen, um allen zu gefallen. Das ist für mich der Schlüssel zum Erfolg, man muss authentisch sein.

Willst Du es anderen überlassen, was ich über Dich bei Google finde?

SK: Muss man also eine Influencer-Persönlichkeit haben? Und ist das nicht riskant, wenn man das beruflich probiert?

CFW: Jeder hat eine Persönlichkeit und eigentlich gibt es da nur die Frage: Vertrete ich meine Ansichten, Werte und Meinungen auch online oder nicht? Auch offline haben wir ja beruflich eine Art „Personal Brand“ gegenüber Chefs und Kollegen.

Ob man das auch in die Online-Welt verlagern möchte, kann jeder selbst entscheiden. Ich persönlich sehe es als notwendig an, seine „digitale Identität“ zu prägen und zu pflegen. Oder willst Du es anderen überlassen, was ich über Dich bei Google finden?

SK: Wie privat kann, darf und muss man dabei eigentlich sein?

CFW: Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen online und privat. Ich muss und will nicht alles online teilen, denn es gibt natürlich Dinge, die nur für meine Familie, meine Freunde oder meinen Partner bestimmt sind.

Es geht ja bei LinkedIn nicht darum, Partybilder zu posten, sondern professionelle Inhalte zu teilen. Damit gibst Du mir einen Einblick in Deine Berufswelt. Es ist also vielmehr eine Chance, andere an Deiner Erfahrung und Expertise teilhaben zu lassen.

Mitarbeiter werden als Influencer oder Markenbotschafter von Unternehmen völlig unterschätzt.

SK: Sollten Unternehmen Social Media-Aktivitäten dann fördern?

CFW: Mitarbeiter werden als Influencer oder Markenbotschafter von Unternehmen völlig unterschätzt. Man stelle sich mal ein Unternehmen mit 5000 Mitarbeitern vor, wenn die alle aktiv auf LinkedIn sind und über ihren Arbeitsalltag und ihr Berufsleben erzählen, was das für eine Reichweite für das Unternehmen ist.

Geht man davon aus, dass jeder „Nicht-Influencer“ so durchschnittlich 300 Kontakte auf LinkedIn hat, ist das enorm. Und wenn man dann noch bedenkt, dass die Mitarbeiter in Summe nachweislich 10x mehr Kontakte haben als das Unternehmen selbst, wird die Power deutlich. Unternehmen sollten Mitarbeiter also unbedingt schulen und fördern, um dieses Potential zu nutzen.


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Ich glaube, dass es viele Mitarbeiter gibt, die das gerne machen würden.

SK: Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter fördern?

CFW: Es ist sehr wichtig, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter darin schulen und auch erklären, wie so etwas funktioniert. Man darf keine Perfektion von heute auf morgen erwarten und man muss respektieren, wenn der ein oder andere das auch nicht möchte.

Aber ich glaube, dass es viele Mitarbeiter gibt, die das gerne machen würden, die aber nicht wissen, ob es überhaupt erlaubt ist. Unternehmen müssen da aktiv auf Mitarbeiter zugehen und sie mitnehmen, coachen und unterstützen.

Man muss es eben wollen und sich abends einfach ein Stündchen hinsetzen.

SK: Wie aufwändig ist es eigentlich, Influencer auf LinkedIn zu sein?

CFW: Es ist zeitaufwändig. Nur wenn man bereit ist, Zeit zu investieren, dann wird es auch erfolgreich. Denn man will für seine Follower ja eine bestimmte Qualität bereitstellen. Aber ich denke mit regelmäßigem Engagement kann sich jeder auf LinkedIn eine ordentliche Personal Brand aufbauen.

Mit einem Investment von 2-3 Stunden die Woche, schafft es jeder ein kurzes Video und zwei weitere Postings anzufertigen – und das reicht völlig. Man muss es eben wollen und sich abends einfach ein Stündchen hinsetzen. Ich persönlich habe verschiedene Seiten und Online-Magazine, denen ich aus Eigeninteresse folge und meistens fällt mir so etwas in die Hände.

Es gibt so viel Content, den wir sowieso täglich lesen. Diese Inhalte könnte man neu aufbereiten, weiter anreichern oder seine persönliche Meinung hinzufügen. Das ist Arbeit, aber nicht unmöglich.

Es ist quasi ein Mix aus guter Planung und spontanen Ideen.

SK: Stichwort „Storytelling“, wie gehst Du an Deine Beiträge heran?

CFW: Die „Story“ kommt oftmals spontan. Meistens, wenn mein Fokus eigentlich woanders sein sollten – wie damals auf meiner Masterarbeit. Das sind dann Ideen und Inhalte, die ich langfristig plane und aufbereite. Manchmal fällt mir aber auch spontan eine Story in die Hände.

Wenn ich beispielsweise auf einer Konferenz bin und in einer Keynote etwas wahnsinnig Spannendes gesagt wird. Dann mache ich ein Foto oder drehe ein kurzes Video, schreibe dazu das Zitat und poste das. Es ist quasi ein Mix aus guter Planung und spontanen Ideen.

SK: Gibt es da eine Art „perfekte Mischung“ für die Auswahl und Inhalte der Themen?

CFW: Die perfekte Mischung besteht einerseits aus echten Insights, wie beispielsweise Studienergebnissen und Interviews, und andererseits aus Einblicken in den persönlichen Alltag. Damit liefere ich Inhalte zu Trends, die allgemein von hohem Interesse sind, bringe aber auch diese persönliche Note rein, Stichwort „Authentizität“.

Es kommt gar nicht so sehr auf die Häufigkeit an, sondern eher auf die Kontinuität.

SK: Und wie häufig muss man posten, um Influencer zu werden?

CFW: Es kommt gar nicht so sehr auf die Häufigkeit an, sondern eher auf die Kontinuität. Wenn du dir überlegst einmal pro Woche zu posten, dann ist das in Ordnung, wenn es wirklich jede Woche passiert. Dann können sich die Follower nämlich darauf einstellen und wissen beispielsweise, dass jeden Donnerstag etwas Tolles kommt. Ich persönlich denke übrigens, dass es jeder öfter als 1x pro Woche schafft zu posten.

SK: Du selbst hast eine Kamerafrau, daher stellt sich die Frage, was man an Ressourcen braucht, um gute Beiträge zu posten.

CFW: Das Thema Qualität wird meistens überbewertet. Es muss authentisch sein, daher ist das perfekte HD-Equipment gar nicht notwendig. Es reicht auch das Handy und vielleicht ein kleines Ringlicht zum Aufstecken und ein Tripod als Stativ. Das sind keine großen Kosten (ca. 20€) und damit ist man dann schon ausgestattet, um Videos für Social Media zu produzieren.

Sie wollen mehr über Social Selling erfahren? Im Interview mit Cyrill Luchsinger ist Sabine Kirchem darauf eingegangen, wie man seine eigene Marke auf LinkedIn stärken kann und was einen erfolgreichen Beitrag ausmacht. 


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Céline Flores Willers ist Influencerin in den Bereichen Innovation und Entrepreneurship auf LinkedIn und Xing. Sie arbeitet als Moderatorin und baut gerade ihre eigene strategische Beratung für innovative Kommunikation auf.Mit

Kontakt: LinkedIn / Xing

 


Sabine Kirchem Sabine Kirchem leitet als Senior Manager Corporate Communications in der ec4u expert consulting ag die Unternehmenskommunikation. Darüber hinaus hat sie bei der Erstellung mehrerer Bücher mitgewirkt, Studien verfasst sowie zahlreiche Fachartikel zu den Themen Customer Journey, CRM und Cloud Computing veröffentlicht.

Kontakt: LinkedIn

 

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