Gaense die nach Süden ziehen

Auch Führungskräfte müssen ihre eigene Rolle im Kontext der Digitalisierung neu denken oder zumindest reflektieren. Braucht es eine neue Art der Führung, um im digitalen Wandel zu bestehen?

Was ist Digital Leadership?

„Digital Leadership“ ist die Herausforderung von Führungskräften, das eigene Unternehmen sowie die Mitarbeiter im digitalen Wandel anzuleiten und zu unterstützen. Der Begriff bezeichnet also nicht nur die Führung in einem digitalen Unternehmen, sondern auch das Führungsverhalten während der Transformation.

Der erste Schritt: die Notwendigkeit von Change erkennen

An erster Stelle steht dabei die Erkenntnis, dass das eigene Unternehmen bzw. Geschäftsmodell vom digitalen Wandel betroffen ist und sich entsprechend anpassen muss. Diese Anpassung kann von dem Einführen neuer Prozesse, neuer (digitaler) Kanäle, neuer Technologien bis hin zum Verändern oder Erweitern vom Geschäftsmodell oder Produktkatalog reichen. Im Rahmen dieser Erkenntnis müssen die klassischen Prozesse des Wandels neu überdacht werden.

Lange Entscheidungsketten und eine Komplettwandlung sind im agilen digitalen Zeitalter eher hinderlich und erhöhen das Risiko. Ein Digital Leader muss entsprechend neue Methoden und Strategien entwickeln, um den Wandel im Unternehmen zu planen und auszurollen und zwar so, dass das Tagesgeschäft nicht unterbrochen wird und neue Prozesse, Technologien und Ansätze frühzeitig, verständlich und sanft für alle beteiligten Stakeholder ausgerollt werden. Change Management spielt dabei eine große Rolle (mehr dazu hier).

Die 3 Kernkompetenzen eines Digital Leaders

  1. Ein Digital Leader muss begeistern und überzeugen können

In Zeiten von neuen, inspirierenden Arbeitskonzepten wie Modern Work, Holokratie und Work/Life-Balance müssen Führungskräfte in der Lage sein, sowohl ihre Mitarbeiter als auch das Management für neue Ideen, Prozesse und Transformationen zu begeistern.

Ihre Vision muss klar sein und einen Mehrwert für das ganze Unternehmen und dessen Stakeholder haben. Das erfordert natürlich auch, dass der Digital Leader selbst für seine Idee „brennt“. Und es erfordert, dass der Digital Leader die Idee an verschiedene Stakeholder kommunizieren kann (siehe dazu auch: der Elevator Pitch).

Bodenhaftung für eine Vision mit konkreten Ergebnissen

Damit diese Vision jedoch nicht auf Wolkenschlössern aufbaut, muss der Digital Leader eine Balance zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft meistern: Er muss in der Lage sein, aus der Vergangenheit seines Unternehmens zu lernen und mit Blick auf die Zukunft die Gegenwart des Unternehmens zu gestalten. Besonders die „Bodenhaftung“ in der Gegenwart ist dabei wichtig, denn um Kunden, Mitarbeiter oder CEOs von einer Vision zu überzeugen, müssen sie auch die Mehrwerte für sich im Hier und Jetzt erkennen können.

Eines der größten Hindernisse für jede Art von Wandel ist die Angst, etwas dadurch zu verlieren, sei es Sicherheit, Status oder Kontrolle. Kurzum, der Zweck der Vision (also warum wollen wir den Wandel eigentlich?) muss für den Digital Leader klar sein und zwar nicht nur aus seiner Perspektive heraus.

Empathie, um auf alle Stakeholder zuzugehen

Genau deshalb ist übrigens Empathie bzw. Einfühlungsvermögen eine wichtige Eigenschaft für eine moderne Führungskraft. Der Digital Leader muss seine Vision nämlich nicht nur den CEOs oder Investoren schmackhaft machen, sondern auch Teamleiter und Mitarbeiter davon überzeugen. Denn sie sind dafür verantwortlich, dass die neuen Prozesse, Technologien und Ideen auch im laufenden Betrieb umgesetzt werden.

Dazu gehört auch, unterschiedliche Persönlichkeitstypen zu berücksichtigen und entsprechend einzubinden. Ein extrovertierter Mitarbeiter wird andere Anforderungen an seine Arbeit haben als ein introvertierter Mitarbeiter.

Risikobereitschaft für Neues

Ein weiterer Wesenszug des Digital Leaders sollte darüber hinaus auch Mut zu Neuem sein. Risiken eingehen, neue Ideen verfolgen und Experimente durchführen gehören zur Innovationskultur dazu. Der digitale Wandel bremst nicht für vorsichtig-ängstliche Unternehmen. Daher müssen Unternehmen und eben auch Führungskräfte Wege finden, neue Ideen zuzulassen und auszuprobieren.

Besonders große Unternehmen tun dies oft mit sogenannten „Idea Labs“, also spezifischen Teams, die exklusiv an Innovationen arbeiten. Dabei muss jedoch eine starke Verknüpfung zwischen den Innovatoren und allen anderen Unternehmensbereichen bestehen, damit diese Ideen nicht im Vakuum existieren, sondern wirklich den Unternehmenszielen beisteuern. Auch hier ist der Digital Leader in der Verantwortung, derartige Konzepte anzustoßen.

  1. Ein Digital Leader muss transparent und offen informieren und kommunizieren

Die Silo-Mentalität klassischer Unternehmenskulturen ist ein Dorn im Auge des digitalen Wandels. Für eine ganzheitliche Transformation, etwa hin zur Kundenzentrierung, braucht es offene Informationswege und gemeinsame Prozesse. Das bedeutet nicht nur technologische Veränderungen (z.B. eine gemeinsame Plattform und Datenbank), sondern auch kulturelle.

Der Digital Leader hat dabei eine Vorbildfunktion. Er kommuniziert offen und regelmäßig über Pläne und Ideen. Doch nicht nur das: er hört auch zu, nimmt Feedback auf und spielt es an Entscheider zurück. Transparenz muss aus beiden Richtungen gewährleistet sein. Das Management muss Mitarbeiter über Veränderungen informieren, aber es muss auch Ideen, Anforderungen und Probleme der Mitarbeiter einfordern und anhören. Nur so können nicht nur die durch Unternehmensbereiche kreierten Trennlinien aufgelöst werden, sondern auch die hierarchischen Wissenssilos.

  1. Ein Digital Leader muss Vertrauen in sein Team haben

Um eine offene Kommunikation im Unternehmen und auch mit dem eigenen Team zu etablieren, muss der Digital Leader Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Kollegen und Mitarbeiter haben. Micromanagement gehört der Vergangenheit an und ist bewiesenermaßen wenig produktiv. Als Vorbild kann der Digital Leader so das Selbstbewusstsein und auch die Kompetenzen seiner Mitarbeiter stärken, indem er eigene Entscheidungsfreiräume zulässt und individuelle Skills und Wissensbereiche fördert.

Hierarchien dürfen kein Hindernis sein

Das bedeutet auch: Kommunikation auf Augenhöhe. Selbst in Unternehmen, in denen das Holokratie-Konzept (siehe hier) noch nicht entdeckt wurde, gehört gegenseitiger Respekt im Umgang miteinander zu den Grundlagen produktiver Arbeit. Jeder Mitarbeiter ist Experte auf seinem Gebiet und sollte unabhängig von Titel so behandelt werden. Ein Digital Leader ist dahingehend nicht durch feste Hierarchien geprägt, sondern erkennt den Wert seines Teams im gemeinsamen Wissen.

Eine gesunde Fehlerkultur ermöglicht Innovation

Zum Vertrauen gehört auch eine offene Fehlerkultur. Besonders in Deutschland ist es leider nahezu unerhört, Fehler einzugestehen. Doch jeder missglückte Versuch bringt erhebliche Erkenntniswerte mit sich bringen und fördert Innovationen. Kein Mitarbeiter wird sich trauen, neue Ideen auszuprobieren, wenn Fehler grundsätzlich bestraft werden. Der Digital Leader ist also in der Lage, sowohl kommunikativ als auch prozessual produktiv und konstruktiv mit Fehlern umzugehen.

Last but not least: Gehör im Management

Wenn der innovative, offene, kommunikative und risikobereite Digital Leader keine Entscheidungsgewalt im Unternehmen hat, dann kann er wenig bewirken. Wenn also der Unternehmensvorstand einen Digital Leader ernennt, diesem jedoch keine Möglichkeiten gibt, seine Ideen und Strategien umzusetzen, dann innoviert er nur auf dem Papier.

Es ist daher weniger eine notwendige Kernkompetenz, als eine notwendige Grundlage, damit die Führungskraft auch wirklich etwas in der digitalen Transformation bewirken kann.


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