Code auf einem Laptop

Jeder redet über die Digitalisierung. Aber wie genau diese umgesetzt wird, verliert sich nicht selten im Buzzword-Sturm. Zu den absoluten Grundlagen einer erfolgreichen digitalen Strategie gehören APIs. Unser Gastautor Joël Sidler erläutert, was APIs sind und wie man sie einsetzen kann.

Was genau ist ein API?

Das Application Programming Interface, kurz API, ist quasi der Stoff, der unsere digitalen Anwendungen verknüpft und zusammenhält. Sei es die App-Nutzung via Smartphone oder der Online-Chat mit den Kollegen.

Ein „Interface“ ist in der IT eine Art Verbindung zwischen zwei Anwendungen. Interfaces kann es innerhalb einer Software, innerhalb eines Computers, zwischen verschiedenen Endgeräten, etc. geben.

Dieses Interface wird zur Verwendung mit verschiedenen Anwendungen (Applications) programmiert und schon erklärt sich der Begriff von selbst. Ein API dient als Datenbrücke für fremde Systeme um Daten an diese Fremdsysteme zu übergeben.

Ein wenig kann man das API auch als „Übersetzer“ und „Botschafter“ von Befehlen verstehen, denn die zwei Anwendungen können unter Umständen unterschiedliche Sprachen bzw. Informationsaus- und eingaben haben, die durch das API für den vorgesehenen Zweck aneinander angepasst werden.

Ein API-Beispiel aus dem Alltag

Ganz einfach ist das etwa ein Suchformular auf einer Seite, beispielsweise die Streckensuche auf der Homepage der Deutschen Bahn. Das Suchformular selbst ist kein API. Das API sorgt dafür, dass die Daten aus dem Suchformular zu der entsprechenden Bahn-Datenbank geschickt werden. Dort wird die Anfrage dann von der Datenbank verarbeitet. Anschließend sendet das API das Ergebnis der Anfrage zurück und zwar so, dass der Nutzer etwas damit anfangen kann (in diesem Fall: eine Liste verfügbarer Strecken).

API Funktion_Grafik

Es gibt im Internet zahlreiche Fälle, in denen mehr als ein API angewandt wird bzw. wo das API auch zwischen verschiedenen Anbietern verbindet. Genau dann ist der Vorteil dieser Schnittstelle, dass Anbieter A die Funktionalität oder Information erhält, die er für seinen Dienst braucht, ohne dass Anbieter B seine gesamte Datenbank preisgeben muss. Das API dient also auch dazu, dass Informationen und Funktionalitäten geteilt werden können, ohne dass alles 100%ig transparent ist. Es wird also nur das Notwendige durch das API bereitgestellt, was für den Nutzer als auch den Anbieter der Informationen von Vorteil ist. Gerade deshalb verlangen die meisten API einen sogenannten „Key“ (Schlüssel).

Was ist ein API Key?

Ein Schlüssel (Key) ist quasi dazu da, die Verbindung zu verifizieren und zwar im Idealfall so, dass die Nutzung auf den spezifischen Nutzer zurückzuführen ist. Das kann so simpel sein wie ein Login via Google-Account.  

API Verknuepfung_Grafik

Dies passiert beispielsweise bei Vergleichsplattformen, die mit den Datenbanken unterschiedlicher Anbieter verknüpft sind. Jede Datenbank hat ihr eigenes API. Für den Nutzer ist die Anzahl der API übrigens meistens unsichtbar (und das soll auch so sein). Genau das ist übrigens auch eine der Grundlagen einer API und zwar, dass der Nutzer diese nicht direkt verwendet. Ein Bildschirm oder eine Tastatur ist also kein API. Auch das Formular, das auf bahn.de ausgefüllt wird, ist noch kein API, denn das wird zwischen das Formular und der Datenbank geschaltet.

Eine sehr sympathische und verständliche Erklärung hat übrigens Bootstrapper auf YouTube: 

Tamara Scott fasst in ihrem Beitrag „How to use an API: Just the basics“ die grundsätzlichen Fähigkeiten eines API wie folgt zusammen:

  • Daten von einem Server anfordern
  • Änderungen an einen Server kommunizieren
  • Existierende Informationen editieren oder hinzufügen
  • Existierende Information löschen

Anwendungsgebiete von API (Beispiele):

  • Informationen von Leads und Kunden zwischen verschiedenen Anwendungen teilen (z.B. zwischen CRM-System und Marketing Automation-System).
  • Informationen via App eingeben und einer Datenbank hinzufügen.
  • Das Austauschen von Lagerstammdaten aus dem ERP (Enterprise Resource Planing) mit einer Webshop-Verbindung vom Kundenportal mit Ticketsystem.
  • Grundsätzlich der Austausch von Daten zwischen Fremdsystemen.
  • Sie haben Daten, welche für Partner oder Kunden interessant sind? Stellen Sie diese per API kostenpflichtig zur Verfügung.

APIs im digitalen Wandel

Will ein Unternehmen ein Formular auf seiner Webseite einsetzen, eine App entwickeln oder zwei Systeme oder Programme miteinander verknüpfen, so spielen APIs eine große Rolle. Software- und Hardware-Anbieter, die APIs entwickeln, die das Programmieren bzw. Entwickeln von Soft- und Hardware ermöglichen und mit den Anbieter-Produkten verknüpft werden können, sind Teil eines Ökosystems und erleichtern auch den Nutzern das Kombinieren unterschiedlicher Anwendungen und Technologien.

Populäre Beispiele sind Microsoft und Apple. Deren APIs sind öffentlich, so dass andere Programmierer Software für die jeweiligen Plattformen entwickeln können. Das wiederum macht die Plattformen attraktiver für Anwender (mehr Möglichkeiten) und sorgt für einen symbiotischen Nutzen.

Herausforderungen für Unternehmen

Besonders Unternehmen, die älter sind und daher eine komplexe Infrastruktur haben, brauchen verlässliche API, um alte und neue IT-Plattformen miteinander zu verknüpfen. Da der digitale Wandel nicht von heute auf morgen in einem Unternehmen vollzogen werden kann und es viele Gründe gibt, die alten Plattformen und Systeme vorerst parallel laufen zu lassen, können API-Verknüpfungen mit neuen Plattformen und Systemen dabei helfen, dass Informationen und Daten flexibel ausgetauscht und verwendet werden können.

Es entstehen daher keine Silos zwischen den Systemen, die ein häufiges Hindernis bei der Transformation darstellen. Wenn beispielsweise Mitarbeiter zwar neue, „einfache“ Anwendungen nutzen können, jedoch parallel die alten Anwendungen zusätzlich bedienen müssen, damit alles dokumentiert ist, ergibt sich dadurch eine zeitaufwändige und frustrierende Redundanz. Programmierer können für Unternehmen Anwendungen entwickeln, die bestimmte Funktionalitäten bzw. Informationen für die eigenen Zwecke gefiltert und in einem ansprechenden Format via API darstellen.

Wie können API im digitalen Wandel eingesetzt werden?

Die heutige digitale Welt verändert sich rasant. Es stehen täglich neue Apps zur Verfügung, die ein spezifisches Problem optimal lösen können. Dies führt dazu, dass es immer mehr unterschiedliche Systeme in einem Unternehmen gibt, die miteinander Daten austauschen müssen.

Des Weiteren gehen viele Unternehmen Partnerschaften mit anderen Unternehmen ein, um konkurrenzfähig zu bleiben und sich auf ihre Kernkompetenzen fokussieren zu können. Meist verwenden diese nicht das gleiche CRM-, ERP- oder Marketing Automation-System. Da hilft es, wenn diese Anwendungen bereits ein API zur Verfügung stellen, um auf Daten zugreifen zu können.

Ein weiteres großes Thema ist die Monetarisierung von Daten. Besitzt ein Unternehmen Daten, welche für Partner oder Kunden interessant sind, kann es diese durch ein API entsprechend kostenpflichtig zur Verfügung stellen. Dies ist potenziell eine sinnvolle Art, Daten nicht nur im „Keller“ oder der Cloud „verfaulen“ zu lassen, sondern Kapital aus ihnen zu schlagen.

Was muss man beim Einsatz von API beachten?

Mit Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist bei personenbezogenen Daten Vorsicht geboten. Durch die Verteilung der Daten in verschiedene Systeme und der Bereitstellung über APIs wird es komplex, die Auflagen der DSGVO einzuhalten.

Ein Recht des Nutzers ist beispielsweise das Recht auf Löschung seiner Daten. Unternehmen müssen somit sicherstellen können, dass sie jederzeit wissen, in welchen Systemen welche personenbezogenen Daten gespeichert sind und einen Mechanismus etablieren, um Daten jederzeit abrufen Und/oder löschen zu können. Um die Kontrolle und die Wartung von APIs zu vereinfachen, wird empfohlen, einen „API Gateway“ einzusetzen.

Ein API Gateway ist bildlich die Kontrollstation aller eingehender und ausgehender Datenbrücken. Salesforce bietet hier die Lösung von Mulesoft an. Microsoft das Azure API Management. Grundsätzlich sollten in der heutigen Zeit möglichst alle Apps Out-of-the-Box eine API anbieten. Dies ist bei der Entwicklung und Inbetriebnahme neuer Apps zu berücksichtigen. Das trägt zu einer 360°-Sicht auf Kunden bei und erhöht zudem die Chance, neue Geschäftsfelder mit den Daten zu erschließen, die ein Unternehmen sowieso schon besitzt.


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Joel SidlerJoël Sidler arbeitet als Senior Consultant bei der ec4u in der Schweiz. Er berät Kunden rund um die digitale Transformation mit Fokus Cloud- und Businesstransformation.

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