Grafik von Händen mit Smartphones

Knapp 25 Jahre nach dem Erscheinen des ersten internetfähigen Mobilgeräts hat Mobile Shopping unseren Alltag immer fester im Griff. Dennoch punktet stationäres Browsen mit den besseren Konversionsraten, wenn es um Verkäufe geht. Weswegen lohnt es sich trotzdem, in die Optimierung mobiler Webseiten zu investieren? Milos Kuhn erläutert es im Blogbeitrag.

Mal wieder sitze ich im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Wälder und Häuser ziehen vorüber, Abfahrtszeiten an Haltestellen verzögern sich. Während früher eine Tageszeitung bei der Überbrückung der Zeit geholfen hat, ist es heute meist das Mobilgerät meines Vertrauens. Es ersetzt nicht nur die Presse, sondern lädt auch dazu ein, spontane und überlegte Käufe unterwegs zu erledigen. Damit bin ich nicht allein. Mehr als zwei Drittel der Verbraucher nutzen ihr Smartphone für Online-Einkäufe (Quelle: Oberlo).

Mobile Shopping: Überall neue Möglichkeiten

Der Vorteil, Käufe am Mobiltelefon anstelle des klassischen Desktops zu erledigen, liegt auf der Hand. Der moderne Kunde ist ortsunabhängig. Ob im Zug, in der Mittagspause am Arbeitsplatz oder zu Hause im Wohnzimmer. Mit einem Mobilgerät können allerorts Produktinformationen eingeholt und Käufe getätigt werden.

Darüber hinaus wurden durch mobile Bezahlmöglichkeiten neue Wege geschaffen, um sich den Gang zur Bank zu sparen. Nie war das Kaufen leichter. Für Unternehmen gilt es entsprechend, Kunden ein möglichst angenehmes Kauferlebnis zu bieten. Wichtig sind dabei übersichtliche Webseiten und bequeme, mobile Bezahlmöglichkeiten wie PayPal oder Google Pay.

Aufmerksamkeit der Kunden sinnvoll nutzen

Doch wie schlägt sich die Mobilgerätnutzung im Vergleich zur Desktopnutzung in Fällen, in denen Ortsunabhängigkeit und Kompaktheit keine Rolle spielen? Einen ersten Hinweis darauf gibt die Tatsache, dass das menschliche Gehirn nur 0,4 Sekunden braucht, um Werbung auf Mobilgeräten kognitiv zu erkennen und wahrzunehmen.

Das bedeutet, dass sich der Nutzer innerhalb eines Lidschlages einen Eindruck von der Werbung geschaffen hat. Desktop-User brauchen dafür im Vergleich durchschnittlich drei bis vier Sekunden, was einem kurzen Gähnen entspricht (Quelle: Marketing Mobile Association). Entsprechend der kurzen Aufmerksamkeitsspanne müssen Anbieter ihre Kunden mit kompakten Anzeigen ansprechen.

Mehr Traffic bedeutet nicht immer mehr Konversion

Browsen Kunden auf ihrem Handy, ist es wahrscheinlicher, dass sie auf Werbeanzeigen stoßen, die sie zum Kauf verleiten. Das sind allerdings überwiegend billigere Spontankäufe. So ist es kaum verwunderlich, dass Mobile-User 65 Prozent des Traffics auf E-Commerce-Seiten ausmachen.

Wirft man einen Blick auf die Verkäufe, verschiebt sich das Verhältnis. Jeder zweite Kunde kauft Produkte mit einem Desktop (Quelle: SaleCycle). Vertrieb und Marketing von Online-Shops müssen also berücksichtigen, dass Konversionsraten im Verhältnis zu Awareness- und Engagement-Faktoren bei Desktopnutzern höher sind.

Höherpreisige versus niedrigpreisige Sektoren

Gerade in hochpreisigen Branchen sind die Konversionsraten der Desktop-User beachtlich. Obwohl selbst hier der Traffic auf mobilen Geräten eine Nuance höher ist, wickeln beinahe drei Viertel der User den Kauf stationär ab. Dass für wertigere Produkte auch in Spontankaufsektoren lieber der Desktop genutzt wird, zeigt sich am Beispiel des Modesektors.

Zwar kaufen deutlich mehr Kunden per Mobile Shopping Kleidung, doch beläuft sich der durchschnittliche Warenkorbwert „nur“ auf 80 Euro. Beim Desktop sind es derweil 113 Euro. Branchenübergreifend geben Kunden am Desktop durchschnittlich 60 Euro mehr aus. (Quellen: Nosta (PDF) und SaleCycle).

Das Kauferlebnis ist der Schlüssel

 Kunden neigen an Mobilgeräten mehrheitlich dazu, die Seite vor dem eigentlichen Kaufprozess zu verlassen. Die Warenkorb-Abbruchrate liegt bei über 80 Prozent (Quelle: Merchant Savvy). Letztere Tatsache ergibt sich in vielen Fällen durch die suboptimale Produktsuche auf mobilen Geräten. Diese ist einigen Nutzern ein Dorn im Auge und unterstreicht die Vorteile vom stationären Browsen. Kunden legen Wert auf ein konstantes sowie schnelles Erlebnis, übersichtliche Produktvergleiche und ein sichereres Gefühl beim Kauf.

Um es noch einmal kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Mehr Traffic: mobil. Mehr Konversion und höhere Warenkorbwerte: Desktop. Doch wie fördern Unternehmen vor diesem Hintergrund den Kaufprozess via Mobilgerät?

Best Practices für Mobile Commerce:

  1. Responsives Design

Essenziell, um den Kunden zu überzeugen, ist ein responsives, also sich auf das Endgerät anpassendes, Design. Auch aus SEO-Gründen ergibt ein hardware-unabhängiges Design Sinn: Responsive Webseiten werden im Google-Ranking bevorzugt und mit einem entsprechenden Label ausgewiesen, wenn die Suche via Mobilgerät erfolgt.

  1. Übersichtliche Webseiten

Gerade auf kleinen Displays wirken überladene Seiten abschreckend und bringen Kunden schnell dazu, die Seite wieder zu verlassen. In der Konsequenz müssen Unternehmen an der Nutzerfreundlichkeit arbeiten und die Übersichtlichkeit der Webseite verbessern. Danach sollte das Design streben, will der Nutzer doch gerade am Smartphone einen Überblick haben, was auf der Seite geboten wird.

  1. Seitengeschwindigkeit

Übersichtliche, nicht zu beladene Seiten sind auch hinsichtlich der Seitenladegeschwindigkeit für Mobile Shopping ratsam. So muss das Mobilgerät keine hochformatigen Bilder laden, sondern nur komprimierte Icons und Grafiken. Damit werden Ladezeiten verkürzt und einem der meistgenannten Gründe, warum Kunden die Seite verlassen, wird entgegengewirkt. Auch bei Google hinterlässt dieses Vorgehen einen guten Eindruck. Als das kalifornische Unternehmen feststellte, dass 50 Prozent der Suchanfragen auf Mobilgeräten stattfinden, beschloss das Unternehmen, Ladezeit-optimierte Websites im Ranking organisch zu bevorzugen.

  1. Stetige Verbesserung

Generell muss das Unternehmen konstant darauf achten, seine mobile Webpräsenz zu optimieren.  Gleiches gilt aber auch für Desktopseiten. Geringere Ladezeiten, besseres Design, preiswertere Angebote. Um gegen die Konkurrenz anzukommen, muss eine optimale Customer Experience gewährleistet sein – bei der Vielzahl an Angeboten, die Kunden zur Auswahl stehen, ist das mehr als essenziell.

Fazit: Geteilter Fokus

Geht es um höherpreisige Verkäufe, erzielen die meisten Produkte am Desktop bessere Konversionsraten. Dennoch sind Mobilgeräte zweifellos die Richtung, in die sich Gewohnheiten von Kunden bewegen. Es ist daher unerlässlich, mobile Webseiten zu optimieren.
Durch mehr Traffic und Werbung tritt der Kunde häufig mobil mit einem Unternehmen zum ersten Mal in Kontakt. Um mit einem guten Eindruck zu punkten, müssen Ersteller besonders auf entsprechendes Design, Content und die damit verbundenen Ladegeschwindigkeiten achten.

Hierbei sollten Unternehmen versuchen, die Vorteile des Desktop-Browsings auf Mobilgeräte zu übertragen. Übersichtlichkeit und ein entspanntes Kauferlebnis – so ruft man die gewünschte Surf-Routine beim Kunden hervor, die ihn vielleicht auch zu einem Kauf überzeugt oder dazu bringt, sich die Webseite noch einmal zu Hause am Desktop anzuschauen.


Ob mobil oder am Desktop: mit den richtigen Commerce-Lösungen können Sie Ihre Kunden überall begeistern und sowohl stationär als auch digital nahtlose Kundenerlebnisse garantieren. Erfahren Sie mehr. 

New call-to-action


Icon PersonMilos Kuhn ist Werkstudent im Corporate Communications-Team der ec4u. Er studiert aktuell Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien, Stuttgart.