Smartphone, Münzen und Kreditkarten vor blauem Hintergrund.

Um erfolgreich eCommerce zu betreiben, müssen Händler ihren Kunden eine umfassende Kauferfahrung bieten. Dazu gehört auch, passende Bezahlmethoden anzubieten.

Kunden haben eine Vielzahl an Alternativen, wenn es um die Auswahl eines geeigneten Online-Shops geht. Sie können Anbieter und Produkte miteinander vergleichen und sich das beste Angebot heraussuchen. Folglich stellen Händler häufig erfolgsversprechenden Traffic auf ihrer Webseite fest, erzielen aber dennoch keine guten Konversionsraten.

Eine Ursache dafür ist, dass die vom Kunden gewünschte Zahlungsmethode beim Check-Out-Prozess nicht angeboten wird. Für etwa 50 Prozent der Seitenbesucher ist das sogar einer der Hauptgründe für einen Warenkorbabbruch (Quelle: Splendid & Arithnea via e-commerce-magazin.de). Unternehmen bietet dieser Sachverhalt im Umkehrschluss die Chance, durch zielgruppenbasierte Bezahlmethoden und einen kundenfreundlichen Check-Out-Prozess zu punkten.

E-Wallets sind am populärsten

Geht man nach Payment-Trends im eCommerce, sind E-Wallets aktuell sehr angesagt. Diese ermöglichen es Kunden, Bank- oder Kreditkartendaten auf Plattformen wie PayPal oder Apple Pay zu deponieren. Wählt der Kunde beim Check-Out die Bezahlmöglichkeit E-Wallet, muss er keine Konto- oder Karteninformationen eingeben, sondern nur seine E-Mail-Adresse und das Passwort der jeweiligen Plattform (das Login erfolgt meistens via Weiterleitung auf der Plattform, sodass der Nutzer das Passwort nicht dem Online-Shop übermitteln muss).

Einer Umfrage vom Händlerbund und Cashpresso (PDF-Download) zufolge haben mehr als 70 Prozent der befragten Kunden E-Wallets für einen Online-Einkauf in den vergangenen zwölf Monaten genutzt. Die elektronischen Geldbörsen sind damit eindeutiger Spitzenreiter gegenüber anderen Bezahlmethoden.

Das haben auch die meisten Online-Händler festgestellt. Deshalb finden sich in nahezu jedem Online-Shop Bezahlmöglichkeiten durch E-Wallets, mit denen auch die Konversionsrate gesteigert werden kann. Kunden umgehen eine Neuregistrierung und Anbietern wird eine schnelle und sichere Zahlung garantiert.

Rechnungen sind weiterhin beliebt

Trotz der Popularität der E-Wallet wird laut EHI (PDF-Download) der meiste Umsatz in 2019 immer noch mit der Rechnung erzielt.  Interessant ist, dass die Rechnung das meiste Geld umsetzt und zugleich die beliebteste deutsche Zahlmethode ist. Dennoch bieten nur etwa 70 Prozent der Shops diese Methode an.

Woran liegt das?

Essenziell dafür ist die Verschiebung der Risikoübernahme zwischen Händler und Kunden. Während Kunden die Zahlung auf Rechnung bevorzugen, trägt der Händler bei dieser Methode das Risiko des Warenverlusts und muss gleichzeitig die Summe des Einkaufs vorstrecken. Zusätzlich fürchten viele Händler, dass durch Rechnungskäufe das Risiko von Betrugsfällen und versteckte Kosten bei Mahnverfahren steigt. Eine Lösung für diese Bedenken wäre, nur Bestandskunden die Zahlung auf Rechnung anzubieten.

Die Kreditkartenzahlung ist verbreitet – aber kompliziert

Die Zahlung per Kreditkarte erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Durch zusätzliche Sicherheitsprüfungen wird der Check-Out-Prozess allerdings immer komplizierter. So haben laut der EHI-Studie 40 Prozent der befragten Händler, die den Sicherheitsstandard 3-D Secure nutzen, mehr Kaufabbrüche nach Auswahl der Zahlungsart Kreditkarte verzeichnet.

Dass außerdem immer mehr Kreditkarten kostenpflichtig werden, senkt die Beliebtheit des Zahlungsmittels bei Kunden. Auch hier scheint der Trend weiter in Richtung E-Wallets gehen, da es diesen gelingt, Sicherheitsstandards und Kostenpunkte nutzerfreundlicher zu gestalten.

Was wollen Kunden?

Geht es um die Auswahl der relevanten Payment-Methoden, ist eine Zielgruppenanalyse unerlässlich. Das Nutzerverhalten beim Check-Out unterscheidet sich stark bezügliche Sektor und Alter des Kunden. So legen insbesondere jüngere Zielgruppen Wert auf ein sicheres und bequemes Check-Out-Verfahren. Sie bevorzugen moderne Bezahlverfahren wie E-Wallets.

Ältere Zielgruppen greifen häufiger zur Kreditkarte oder der Zahlung auf Rechnung (Quelle: sendcloud). Unternehmen müssen sich also bewusst darüber sein, wer bei ihnen einkauft.

Je mehr Bezahlmethoden, desto besser

Spricht ein Online-Händler mehrere Zielgruppen an, müsste er jedem Kundenprofil gerecht werden, um die Konversionsrate zu maximieren. Die bereits zitierte Händlerbund-Studie besagt, dass Kunden den Check-Out-Prozess eher mit einem Kauf abschließen, wenn sie viele Bezahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen haben.

Dennoch bieten insbesondere kleinere Händler häufig nur wenige Payment-Methoden an. Während große Händler im Schnitt knapp zehn verschiedene Bezahlmöglichkeiten bereitstellen, sind es bei kleineren Händlern meistens nur drei oder vier.

Was kosten Online-Bezahloptionen?

Natürlich steckt hinter diesen Befunden auch eine Kostenfrage. Will ein Online-Händler eine neue Bezahlmethode implementieren, fallen einmalige Kosten für die Beschaffung von Hard- und Software sowie deren Systemintegration an. Laufende, externe Kosten entstehen durch regelmäßige Gebühren, wie zum Beispiel Lizenzkosten.

Laufende, interne Kosten entstehen zusätzlich für die Abwicklung einer Zahlung. So will PayPal beispielsweise 1,7 Prozent des Gesamtumsatzes pro Kauf, eine Zahlung auf Rechnung kostet Unternehmen laut der EHI-Studie durchschnittlich 2,5 Prozent.

Unternehmen müssen demnach Vor- und Nachteile austarieren und je nach Geschäftsmodell neue Bezahlmöglichkeiten in Betracht ziehen. Kaufen mehr Kunden ein, wenn ein E-Wallet-Angebot besteht, so lohnen sich auch die Zusatzkosten. Dabei sollten Sie technische Integration, Komplexität und Aufwand berücksichtigen.

Best Practices:

  1. Kundenvorlieben erkennen

Vorlieben eines Kunden variieren je nach Zielgruppe und Situation. Ein Unternehmen muss diese erkennen und analysieren. So kann auf Payment-Methoden gesetzt werden, die auch wirklich relevant für den Kunden sind. Empfindet ein Kunde die Zahlungsmethode als angenehm, kann er besser an einen Online-Shop gebunden werden und ist eher zu Kompromissen wie höheren Versandkosten oder Zahlung per Vorkasse bereit.

  1. Schneller Check-Out-Prozess

Um Warenkorbabbrüche zu senken, ist ein angenehmer Check-Out-Prozess nötig. Dazu zählen übersichtliche Check-Out-Seiten. Dort können beispielsweise Kontaktdaten von Bestandskunden bereits eingetragen sein. Wichtig ist auch, dass Kunden ohne weitere Umwege, bestenfalls per One-Click, das von ihnen ausgewählte Produkt kaufen können.

  1. Frühzeitig Bezahlmethoden angeben

Eine weitere Methode, Warenkorbabbrüche zu mindern, ist das frühzeitige Angeben von Bezahlmethoden. So haben Kunden eine Übersicht, wie sie bezahlen können, und überlegen sich es nicht erst beim Check-Out-Prozess. Eine eigene Seite mit Bezahlverfahren oder Kurzinformationen unterhalb der Webseite können Abhilfe verschaffen. Kunden werden durch dieses Vorgehen wichtige Entscheidungshilfen geschaffen.

  1. Die Zahlen im Blick behalten

Die Analyse von Payment-Kennzahlen und Zahlartensteuerung sind essentiell für eine optimale eCommerce-Strategie. Werfen beispielsweise bestimmte Payment-Methoden nicht genug Geld ab, kann es sich lohnen, gewisse Zahlungsarten über Bord zu werfen. Ein gutes Beispiel dafür sind Nachnahme-Verfahren. Coronabedingt lohnt es sich aktuell für die wenigsten Unternehmen, die Nachnahme als Zahlungsart im Payment-Methoden-Portfolio zu behalten.

  1. Viele verschiedene Zahlarten anbieten

Dennoch macht’s der Mix. Gerade bei vielschichtigen Zielgruppen lohnt es sich, acht, neun oder mehr Zahlungsalternativen anzubieten. Dadurch kann auf die Bedürfnisse des Kunden eingegangen und das Kauferlebnis abgerundet werden. Um die verschiedenen Bezahlmethoden, Kosten und Integrationen einfach zu managen, gibt es mittlerweile Plattformen, die es den Anbietern ermöglichen, jederzeit neue Zahlarten akzeptieren, ohne immer wieder neue kostspielige Prozesse zu durchlaufen.


Das richtige Erlebnis beim Online-Shoppen muss vom ersten bis zum letzten Klick stimmen. Wir unterstützen Sie beim Aufsetzen und Optimieren Ihres Commerce-Auftritts. 

New call-to-action


Icon PersonMilos Kuhn ist Werkstudent im Corporate Communications-Team der ec4u. Er studiert aktuell Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien, Stuttgart.