Origamivogel

Es ist nicht immer leicht, kreativ zu sein, sich inspirieren zu lassen und Ideen zu entwickeln. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Methoden, die in der Gruppe oder auch alleine dabei helfen.

Ideenfindung in der Gruppe

In der Gruppe kann man die Vorteile verschiedener Ansichten, Weltsichten und Erfahrungen nutzen. So lassen sich Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Auch können diverse Persönlichkeiten dabei helfen, notwendige Aspekte einer guten Idee zu beleuchten, indem beispielsweise der Pessimist auf die Hürden hinweist und der Optimist auf die Möglichkeiten.

Wichtig bei kreativen Methoden in der Gruppe ist immer eine gute Moderation. Die sorgt dafür, dass alle Gruppenmitglieder gleichermaßen zu Wort kommen, dass gerade in der kreativen Phase keine Idee kritisiert oder im Keim erstickt wird und am Ende alles dokumentiert wird.

Brainstorming

Der Klassiker unter den kreativen Techniken hat klare Vorteile. Brainstorming kann im Team viele verschiedene Ideen generieren und vor allem sortieren. Dabei darf der zweite Schritt nicht zu kurz kommen, da von ihm abhängt, wie erfolgreich die Brainstorming-Session wirklich ist.

Ablauf: Der Moderator stellt die Problemstellung vor. Anschließend haben alle Teilnehmer kurz Zeit, um für sich Ideen zu sammeln. Diese werden anschließend nacheinander vorgestellt. Daraufhin kann und sollte noch eine offene Runde erfolgen, da oft auch Ideen aus den bereits genannten Ideen entstehen können. Alle Ideen sollten aufgeschrieben werden. Zu Beginn gilt:

Jede Idee wird notiert.

Erfolgreiches Brainstorming sollte positiv und offen erfolgen, Ideen dürfen insbesondere im ersten Schritt nicht bewertet werden. Im zweiten Schritt werden die Ideen anschließend kategorisiert und bewertet. Hier geht es klar darum, wie diese Ideen umgesetzt werden können, welche Ressourcen gebraucht werden, wie groß der Zeitrahmen ist, etc. Das Ziel ist, die machbaren von den unmöglichen Ideen zu trennen. Anschließend können die machbaren Ideen in weiteren Projektgruppen und/oder Workshops umgesetzt werden.

Herausforderungen: Ein Brainstorming braucht eine gute Moderation und sollte allen Teilnehmern die Möglichkeit bieten, Ideen erst einmal in Ruhe und ohne Bewertung zu sammeln. Es lohnt sich also, wenn jeder erst einmal für sich Zeit hat, Ideen zu notieren, bevor alle in der Gruppe damit beginnen, diese Ideen zu teilen. Andernfalls kann es sein, dass eher zurückhaltende Personen wenig Chancen haben, sich einzubringen.

Die sechs Gedanken-Hüte

Basierend auf dem Konzept von Dr. Edward de Bono (nicht verwandt mit dem U2-Sänger), dienen die „sechs Hüte“ dazu, in einer Gruppe verschiedene Denkweisen bei der Problemlösung einzusetzen und zwar bewusst. Dabei werden sechs Herangehensweisen mit metaphorischen (oder auch echten, je nachdem, wie viele Props Sie einsetzen wollen) Hüten bedacht:

Weiß – Neutrale Sicht Welche Informationen und Fakten gibt es, was wissen wir über das Problem, was müssen wir noch erfahren, was brauchen wir?

Rot – Gefühle Wie fühlen wir uns, welche Gefühle werden hervorgerufen? Wie ist das Bauchgefühl, was sagt die Intuition?

Schwarz – Vorsicht Wie sieht die Rechtslage aus, gibt es ethische oder andere Hindernisse? Was ist der Worst Case?

Gelb – Optimismus Welche Vorteile gibt es, was sind die Gewinne und Mehrwerte, was ist insgesamt positiv, was ist der Best Case?

Grün – Wachstum Was sind neue Ideen im Rahmen der Problemlösung, neue Wege, neue Methoden und Optionen? Welche Neuerungen und Entwicklungen ergeben sich daraus?

Blau – Organisation Wie kann man den Prozess kontrollieren, wie sieht die Roadmap aus, wie wird der gesamte Vorgang überblickt, kontrolliert und geplant? Was kann man am Ende daraus schließen?

Herausforderung: Auch bei dieser Methode ist eine gute Moderation notwendig, um die Hüte zu verteilen und so auch neue Sichtweisen zu motivieren.

de bono gedanken hüte

Die Disney-Methode

Die sechs Hüte sind übrigens sehr ähnlich mit der sogenannten „Disney Methode“, bei der jedoch nur 3-4 Rollen festgelegt werden und die verschiedenen Teilnehmer ihre Rolle nicht wechseln:

Der Träumer – die Ideenfindung ohne Limitierung und Realismus. Der Kreativität darf hier der freie Lauf gelassen werden.

Der Realist – muss die klaren Fakten und Bedingungen berücksichtigen und hat die Aufgabe, jede noch so absurde Idee zu realisieren. Das gilt natürlich nur im Rahmen des Kreativworkshops, kann jedoch einige interessante Ansätze zur Verarbeitung von Ideen hervorbringen, die anfangs unrealistisch erscheinen. Der Realist muss entsprechend ebenfalls ungemein kreativ denken, setzt die Kreativität aber im Gegensatz zum Träumer pragmatisch ein.

Der Kritiker – darf pessimistisch und kritisch an die Ideen und Lösungen herangehen, um Schwächen zu identifizieren. Sein Ziel ist es, Schwächen zu finden und Ideen abzuwägen.

Die Moderation – sollte eigentlich immer dabei sein, um dafür zu sorgen, dass die Rollen ihre Aufgaben ernst nehmen. Auch kann die Moderation sicherstellen, dass Rollen durch andere Gruppenmitglieder nicht eingeschränkt werden (der Träumer sollte nicht limitiert werden) oder dass die Rollenausführung nicht persönlich genommen wird (so kann der Kritiker oft als Teufels Advokat angesehen werden).

Herausforderung: Da die Rollen fest vergeben werden, müssen hier Wege gefunden werden, wie die Teilnehmer trotzdem alle Ideen und Überlegungen äußern können. Diese Methode kann übrigens auch als Individuum angewandt werden.

Disney Methode

Fragetechniken

5Ws und 1H: Who, What, Why, When, Where & How? = Wer, was, warum, wann, wo und wie? Mit dieser Fragestellung können fast alle Bereiche einer Problemstellung abgedeckt werden, um einen ersten Blick auf das Problem bzw. die potenziellen Lösungen zu werfen.

Negative Fragestellung

Anstatt beispielsweise zu fragen, wer von einem Produkt profitiert, können Sie fragen, wer nicht davon profitiert. Wer gehört nicht zur Zielgruppe? Auf welchem Kanal kann die Lösung nicht eingesetzt werden? In welcher Kaufphase kann die Anwendung nicht eingesetzt werden?

Oft kann das negative Fragen viele Einblicke in die Problemstellung bieten und einen Rahmen stecken. Besonderheiten etwa der Zielgruppen, des Umfangs bzw. Einsatzgebietes können dadurch teilweise detaillierter identifiziert werden.

Serious Play

Man kann es wohl als Vorteil sehen, dass das 21. Jahrhundert viele Geschäftsräume etwas verspielter hat werden lassen. Besonders im Bereich von Teambuilding, Problemlösungen und Ideenfindungen werden viele spielerische Ansätze wie Rollenspiele, Improvisation, aber auch Aufgabenlösungen mit Spielzeug häufiger angewandt. Das stärkt einerseits die Teamdynamik und hilft dabei, Themen anders anzugehen.

Beispiel: Lego Serious Play ist dabei eine von Lego entwickelte Methode, um, geführt durch einen Fragekatalog, spielerisch Probleme, Ziele und Vorstellungen mit Legofiguren zu visualisieren.

Herausforderung: Serious Play kann trotz aller Vorteile sehr nah an persönliche Grenzen von Teilnehmer herangehen, da der spielerische Umgang, das Improvisieren oder Rollenspiel oft Dinge „abverlangt“, die so selten im Berufsalltag gefordert werden. Teamleiter sollten hier sehr genau darauf achten, wie die Gruppen zusammengestellt sind. Zusätzlich müssen die Moderatoren in den jeweiligen Serious Play-Methoden geschult sein, damit diese auch produktiv eingesetzt werden können. 

Kreative Workshops erfordern eine Vertrauensbasis

Kreativität kann sehr persönlich sein, weshalb es viele Menschen gibt, die sich unwohl dabei fühlen, unausgegorene Ideen zu teilen und in der Gruppe zu besprechen. Genau deshalb ist eine Moderation so wichtig. Außerdem kann es helfen, wenn es grundlegende Regeln im Umgang miteinander gibt. Teilnehmer sollten die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen, wenn sie sich unwohl fühlen und die Atmosphäre insgesamt sollte locker, sein.

Ein Learning, das ich aus einem Workshop dieses Jahr mitgenommen habe ist: was in den Übungen gesagt und getan wird, sollte nicht mit anderen KollegInnen außerhalb des Workshops besprochen werden. Das heißt nicht, dass die Ergebnisse und Methoden nicht geteilt werden dürfen. Vielmehr geht es darum, dass niemand Sorge haben muss, dass seine Performance später Gesprächsstoff in der Kaffeeküche ist.

Individuelle Ideenfindung

Kreativität, Inspiration und Ideenreichtum gelingt nicht immer in einer Gruppe. Viele Menschen haben ihre besten Ideen in der Dusche, im Auto oder kurz vor dem Einschlafen. Ruhe und Zeit für sich kann dabei enorm helfen, kreativ zu werden.

Langeweile nutzen

Es gibt wissenschaftliche Belege, dass Tagträumen und Langeweile das Denken an den Rand des Unbewussten schieben. Das heißt, dass es helfen kann, wenn man sich nicht mit komplexen Themen beschäftigt, sondern sich vielmehr frei macht.

Es gibt Studien, in denen Studenten, die vorher eine langweilige und lange Liste an Telefonnummern notieren mussten, in einer anschließenden Denkaufgabe kreativere Ergebnisse lieferten. Monotone Aufgaben, die kaum Denkeinsatz erfordern, oder auch einfach mal ein Spaziergang können dabei helfen, den Kopf frei zu machen.

Lesen, Zuhören, Beobachten

Es klingt nach einem müden Klischee, aber wer seinen Horizont auch über seine eigenen Bereiche hinaus erweitert und Interesse an anderen Menschen und Themen hat, wird oft auch kreativer denken. Als Redakteurin ist meine Assoziationskette ein wichtiges Tool, um komplexe Sachverhalte einfacher darzustellen, aber auch Verbindungen zu sehen, die mir nicht direkt vorgegeben werden.

Dabei hilft es mir, wenn ich mich nicht nur in meinem Themengebiet (Fach-) Wissen aneigne, sondern auch in andere Disziplinen und Bereiche eintauche. Wie andere Menschen an Problemlösungen herangehen, wie sie Probleme wahrnehmen und wie sie diese kommunizieren, kann mir dabei helfen, meinen Fokus zu verschieben, um aus einer Denkblockade herauszukommen. Ein guter und sehr spannender Einstieg sind dabei übrigens die TED-Talks bzw. der hervorragende NPR-Podcast zu den TED-Talks.

Mood Boards

Ein „Mood Board“ (Gefühlstafel) ist eine Art Collage, die durch Bilder, Wörter, Farben, etc. ein Thema auf emotionale, visuelle Weise übergreifend darstellen soll. Es dient der Inspiration, indem es das Wesentliche visualisiert bzw. die Stimmung darstellt, die z.B. ein Produkt, ein Content-Asset oder ein Design haben soll. Auch die Erstellung eines Mood Boards kann bereits Ideen inspirieren, da es oft darauf basiert, das Ziel eines Projektes assoziativ zu verbildlichen.


Laden Sie sich auch unser Factsheet zum Thema herunter und erfahren Sie, wie Design Thinking Ihnen dabei hilft, in interdisziplinären Teams neue Projekte, Ideen und Konzepte zu entwickeln.

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Weiterführende Literatur:

Brown, Derrick; Kusiak, Jan (2007) „Creative Thinking Techniques“ PDF: https://www.miun.se/siteassets/fakulteter/nmt/summer-university/creativethinkingpdf

Zugriff: 10.12.2019

Talin, Benjamin (2019) „6 Successful Methods fpr Brainstorming & Idea Creation“ https://morethandigital.info/en/6-successful-methods-brainstorming-idea-creation/

Zugriff: 10.12.2019