Bunte Bausteine aufgebaut

Im Interview mit Sabine Kirchem erläutert Markus Schneeweis, Director Professional Service ec4u und Integrationsexperte, warum Integration im digitalen Wandel so wichtig ist, wie ein übliches Projekt abläuft und welche Mehrwerte sich daraus ergeben.

Sabine Kirchem (SK): Markus, Du leitest das Integrationsteam bei der ec4u, was genau heißt das bzw. was macht Ihr denn da?

Markus Schneeweis (MS): Wir integrieren Systeme und insbesondere die Datenströme zwischen den Systemen. Und dadurch ermöglichen wir den Systemen, miteinander zu „sprechen“.

SK: Hat das auch etwas mit dem CRM im klassischen Sinne (Marketing, Vertrieb, Service) zu tun?

MS: Absolut. Das klingt jetzt sehr technisch, wenn ich sage, dass Systeme miteinander sprechen. Am Ende sind es natürlich die Daten, die die Anwender am Bildschirm sehen, mit denen sie arbeiten und die sie auch für ihre täglichen Entscheidungen benötigen.

Und das umfasst natürlich auch die Bereiche Marketing, Service, Sales, aber auch Auswertungen, Reports und alles was die Anwender verwenden. Diese Anwendungen benötigen ja Daten und diese Daten stellen wir ihnen über Integration zur Verfügung.

SK: Gut. Also überall dort, wo Datenströme stattfinden, wird Integration gebraucht. Wie kann ich mir denn so ein Projekt vorstellen?

MS: Stellen wir uns einfach vor, wir haben in einem Betrieb ein SAP-System, ein Microsoft-System, ein Oracle-System, ein Salesforce-System und noch viele andere. Das SAP-System ist typischerweise führend für den Bestellprozess. Diese Daten werden natürlich in den CRM-Systemen benötigt. Dazu kommt, dass das SAP-System vielleicht On-Premise ist und Salesforce cloudbasiert.

Eine Schnittstelle wäre in diesem Fall „hybrid“. Wir haben hybride Umgebungen, in denen Teile der Systeme in der Cloud und andere Teile, klassischerweise, On-Premise sind, wobei sich das ganz stark entwickelt. Man sagt, dass irgendwann wahrscheinlich alles in der Cloud sein wird. Aber in diesem Zeitraum von vielleicht zehn bis fünfzehn Jahren, gibt es eben einen Übergang. Da müssen wir natürlich diese Herausforderungen auch meistern.

Aber am Ende ist das gar nicht so sehr viel anders. Die Systeme sind irgendwo und müssen sich mit anderen Systemen – die auch irgendwo sind – verbinden.

„Für mich ist Integration der Teil der Digitalisierung, der den Unterschied macht.“

SK: Was begeistert dich den persönlich am Thema Integration?

MS: Für mich ist Integration der Teil der Digitalisierung, der den Unterschied macht. Es ist für mich ein essentieller Teil der kompletten Digitalisierungsstrategie und das funktioniert am Ende auch nur, wenn man das alles zusammenbringt: Realtime-Schnittstellen, Qualität der Daten, schnelle Verfügbarkeit und das auf einer Plattform, die diese Daten dann für alle Umsysteme bereitstellt und auch dort hineinbringt.

Das heißt, alle Anwender bekommen die Informationen, die sie benötigen, um ihre Entscheidung schnell, effizient und richtig im Sinne der Unternehmung zu treffen. Das ist doch super begeisternd, dass wir mit einem Thema arbeiten, was die Digitalisierung erst ermöglicht.

„Man will ja mit einer Integration etwas erreichen: das Daten schneller in einer besseren Qualität verfügbar.“

SK: Wann kommt der Zeitpunkt, dass ein Kunde sagt, jetzt brauchen wir ein Integrationsprojekt?

MS: Da gibt es zwei Antworten. Die eine Antwort ist, wenn man neue Systeme einführt. Wir könnten beispielsweise ein neues Microsoft- oder Salesforce-System einführen und dann startet die Integration mit dem ersten Tag dieses Projektes. Die Integration muss genauso geplant, durchgeführt und getestet werden, wie eine Einführung eines CRM-Systems.

Die zweite Antwort ist, möglicherweise auch völlig unabhängig von diesem CRM-System. Man will ja mit einer Integration etwas erreichen: das Daten schneller in einer besseren Qualität verfügbar. Das ist dann natürlich unabhängig von der Einführung eines neuen Systems, denn ich gehe dann generell an so eine Unternehmensarchitektur heran, um zu optimieren. Das unabhängige Integrationsprojekt sorgt dafür, dass die Daten schneller, verfügbarer und besser sind. Letzten Endes ermöglichen sie auch bessere Entscheidungen.

„Man könnte sagen, die Integration ist das ungeliebte Kind der IT.“

SK: Wie kann man denn die Erfolge eines Integrationsprojektes messen? Das ist ja nicht unwichtig, alleine, um die Ressourcen zu rechtfertigen.

MS: Man könnte sagen, die Integration ist das ungeliebte Kind der IT, weil es Kosten verursacht und manchmal schwer messbar ist. Aber natürlich gibt es diese Messgrößen. Man kann Datenqualität und auch die Bereitstellung messen.

Das heißt: Wann habe ich die Informationen verfügbar? Wann habe ich sie konsolidiert und wann kann ich meine Entscheidung treffen? Und wie gut ist diese Entscheidung dann aufgrund von besseren und schneller verfügbaren Daten? Mein Go-to-Market-Modell verändert sich und verkürzt sich natürlich auch und somit kann ich daraus auch tatsächlich ein Return of Investment aufgrund meiner Investition in Integration nachweisen. Die Messbarkeit ist sogar eine der Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt.

Letzten Endes hat man konkrete Ziele, konkrete KPIs, die man typischerweise am Anfang eines Integrationsprojektes erstellt. Bei einem Projekt mit Kunden würden wir beispielsweise eine Liste mit KPIs gemeinsam erarbeiten, um am Ende nachweisen zu können, ob das Projekt erfolgreich war und die Ziele erreicht wurden.

Nebenbei sind diese Ziele, die man im Rahmen einer solchen Bewertung ermittelt, auch sehr wichtig bei der Auswahl der Plattform. Welche Plattform macht für mich Sinn? Welchen Ansatz wähle ich für die Integration? Diese Entscheidungen beeinflussen das Projekt.

SK: Wie ist ein typisches Integrationsprojekt aufgebaut?

MS: Die Herangehensweise bei einem Integrationsprojekt besteht aus drei Teilen. Nummer eins ist die Strategie, dann haben wir die Organisation und letztlich auch die Technologie. In der Strategie versuchen wir herauszufinden was wirklich benötigt wird, was ist die langfristige Strategie mit einem solchen Produkt, wo können wir es am besten einsetzen und wo führt es zum maximalen Nutzen?

Dann fragen wir, wie sich die Organisation entwickeln soll, wie wir das Know-how zum Integrationsprodukt in die Organisation hineinbringen und verankern und wie der Kunde den höchsten Nutzen daraus ziehen kann. Und drittens wird natürlich die Technologie bzw. die Plattform bewertet und eingeführt.

„Das Ziel ist, diese Informationen zusammenzubringen, um mehr über Kunden zu erfahren.“

SK: Kann so eine Integrationsplattform denn auch insgesamt beim Blick auf den Kunden helfen? Bei der Zusammenführung von Daten steht ja diese 360°-Sicht ganz logisch im Raum.

MS: Ja und diese Sicht auf den Kunden bzw. diesen Überblick erlangen wir, indem wir eine Plattform einsetzen und in dieser Plattform die Systeme verbinden, die Kundeninformationen beinhalten, das sind im Regelfall mehrere Systeme. In manchen Systemen habe ich Kerninformationen über Kunden, in manchen über Bestellungen, in manchen über Webauftritte und Portale. Das ist eine gemischte Gemengelage aus Informationen.

Das Ziel ist, diese Informationen zusammenzubringen, um mehr über Kunden zu erfahren. Hat sich vielleicht ein Kunde auf einem Portal angemeldet, was hat er da zu einem meiner Produkte gesagt, in welcher Beziehung steht das beispielsweise zu seinen Bestellungen? Sind das vielleicht Möglichkeiten hier mit Marketing einzugreifen, den Kunden auch von der Qualität der Produkte zu überzeugen, etc. Damit kommt wieder eine Integration ins Spiel und so wird auch oft möglicherweise wieder die Verbindung hergestellt.

SK: Dass das alles in Echtzeit stattfindet, spielt dabei natürlich auch eine große Rolle, oder?

MS: In typischer IT-Sprache würde man jetzt von Realtime sprechen und das ist natürliche eine Anforderung, die existiert. Ich möchte nicht einen Tag warten, wenn in der Nacht vielleicht Daten ausgetauscht werden. Es gibt da sehr viele Beispiele aus dem Bereich Realtime. Denn letzten Endes ist das auch ein Zeichen der Zeit, dass Daten einfach schneller und in besserer Qualität vorliegen müssen. Deswegen sind eigentlich die klassischen Entwicklungsarbeiten und Integrationsarbeiten, die wir leisten, im Bereich Realtime zu finden.

„Das spielt auf den Bereich Internet of Things und die Integration von Maschinen als Lieferant von Daten, von Streams, von Informationen ein.“

SK: Wenn ich mir das so anhöre, dann stellt sich das auch so dar, als wäre ein Integrationsprojekt quasi die Basis für ein KI-Projekt im Unternehmen.

MS: Absolut, das spielt auf den Bereich Internet of Things und die Integration von Maschinen als Lieferant von Daten, von Streams, von Informationen ein. Wir haben Kunden im Bereich Manufacturing beispielsweise, die automatisch die Maschine und die Informationen, die da geliefert werden durch Sensoren auswerten.

Die wissen dann schon im Voraus, dass diese Maschine in zwei drei Wochen einen Ausfall hat oder ein Ersatzteil benötigen wird. Bereits dann ist ein Bestellprozess für ein Ersatzteil in die Wege geleitet, um dann rechtzeitig, „in time“, mit einem Techniker vor Ort zu sein, um das Problem zu lösen bzw. dem Problem vorzubeugen.

Man kann sich das durchaus überlegen, welche Vorteile sich dadurch ergeben im Vergleich zum Ansatz, auf ein Problem mit einer Maschine zu warten. Da muss dann der Techniker ganz schnell herbeieilen, das Ersatzteil ist vielleicht noch gar nicht geliefert und alles verzögert sich mit der defekten Maschine. Durch vorausschauende Informationen kann so ein Problem frühzeitig gelöst werden.


Markus Schneeweis_ec4u_ProfilMarkus Schneeweis ist Director Professional Service und leitet das Integrationsteam bei ec4u. Als Experte für (Multi Cloud) Integration hat er mehr als 15 Jahre Erfahrungen im Bereich CRM, Databases, SOA, API-led Integration, MDM, EAI und Middleware-Lösungen gesammelt. Vernetzen Sie sich mit Markus Schneeweis: LinkedIN


Sabine Kirchem Sabine Kirchem leitet als Director Corporate Communications bei ec4u expert consulting ag die Unternehmenskommunikation. Darüber hinaus hat sie bei der Erstellung mehrerer Bücher mitgewirkt, Studien verfasst sowie zahlreiche Fachartikel zu den Themen Customer Journey, CRM und Cloud Computing veröffentlicht.

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