Ist Teletext das Twitter der 50+ Generation?

Seit einigen Jahren hat sich in Deutschland die Digitalisierungs-Krankheit stark ausbreitet. Ich möchte es schon fast als Wahn oder Digitalisierungssucht bezeichnen.
Offline funktioniert heute praktisch nichts mehr. Sei es der Wochen(end)einkauf, der Shoppingrausch, das Fitnessprogramm oder die Steuerung des Eigenheims. Seit Kurzem wird sogar digital gejagt (Stichwort Pokèmon Go).

16 Millionen Nutzer für einen Kanal

Doch trotz dieses Wahns hat der Freund eines Schwagers kürzlich berichtet, es gäbe da einen offline Kanal, der tagtäglich etwa 16 Millionen Nutzer anzieht.
Kürzlich erst feierte er seinen 36. Geburtstag und trotz seines Ruhms in frühen Jahren wird er heute nur noch müde belächelt. Manch einer betitelt ihn sogar als “Twitter für die Generation 50+“.

Wenn Ihnen jetzt immer noch kein Licht aufgegangen ist, dann sind Sie nach dem kurzen Einblick in mein persönliches Nähkästchen sicherlich schlauer:

Es ist Montagabend und ich komme geschwächt nach einem ereignisreichen Arbeitstag samt Sporteinheit gegen 20:00 Uhr nach Hause. Zusammen mit meiner ungesunden Junk Food-Mahlzeit mache ich es mir auf meiner Couch gemütlich. Ich schalte den Fernseher an und drapiere in weiser Voraussicht Smartphone und Tablet griffbereit jeweils links und rechts von mir.
Um die brennende Frage, was heute Abend zu meiner allgemeinen Erheiterung beitragen soll, zu beantworten, befrage ich jedoch nicht etwa eine intelligente App, sondern drücke wie selbstverständlich auf diesen einen Knopf meiner Fernbedienung und lese mich bequem durch das angekündigte Programm und informiere mich, in welcher Stadt die Shoppingqueen heute gekürt werden soll. Wo? Im Teletext, natürlich.

Ja, Sie haben richtig gelesen, trotz meiner ausgeprägten Digital-Sucht bin ich mit meinen 28 Jahren ein Teletext-Verfechter der alten Schule. Die Programm-Seite 303 hat sich seit meiner Kindheit fest in meinem Unterbewusstsein manifestiert.

Teletext: Unterschätzt und mit hoher Reichweite

Die rund 60 Millionen Nutzer jährlich tun es mir gleich und informieren sich insbesondere in den Abendstunden über Tagesschau-Themen, Sportergebnisse und das laufende TV-Programm.

Seit dem Jahre 1980 begeistert der Teletext mit 24 Zeilen a 40 Zeichen geballter Text-Power und Pixel-Bildchen in sechs leuchtenden Farben auf ganzer Linie.
Man könnte fast behaupten, er hätte den Grundstein für Twitter und für markante Call-to-Action-Buttons gelegt.

Natürlich musste er in den letzten Jahren Umsatzeinbußen erfahren und Marktanteile gingen zurück, doch Jan Krone, Medienökonom der FH St. Pölten bringt es auf den Punkt „Der Mensch ist nur ein bedingt rationales Individuum, er zieht einfache Wege vor.”

Kann man den Teletext wirklich für’s Marketing nutzen?

Der Teletext ist einfach, schnell und befriedigt Bedürfnisse. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bekanntes muss ja auch nicht immer gleich langweilig sein, es greift Gewohnheiten auf und schafft Sicherheit.

Kennen Sie den Spruch „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“?
Dieser kam mir beim Thema Teletext gleich in den Sinn. Warum immer gleich digital werden, wenn es auch anders geht?

Denn was wir nicht vergessen dürfen: auch wenn unser Alltag zunehmend digitalisiert wird, so gibt es durchaus noch eine Generation, die nicht so medien-affin ist und von der Digitalisierung überfordert ist, wenn nicht sogar verängstigt.

Die Generation 65+, etwa 21% der deutschen Bevölkerung, ist es gewohnt, sich Informationen mittels Printmedien, Gesprächen im Supermarkt oder eben dem Teletext anzueignen.
Unternehmen sollten dies beim Planen Ihrer Customer Journeys durchaus nicht außeracht lassen. Erst kürzlich haben wir in einem unserer Blog Beiträge „Hauptsache digital: Vergessen Sie die Kundenerlebnisse nicht“ diese Problematik beschrieben. Erzwingen Sie nicht die Kanäle, die Ihre Marketing-Experten lieben, sondern identifizieren und optimieren Sie die Kanäle, die von Ihren Kunden tatsächlich auch genutzt werden.

Natürlich soll dies nun kein Aufruf an Sie sein, wieder nach alter Manier Textanzeigen zwischen Kontaktanzeigen und dem SMS-Flirt Chat zu platzieren, aber im Buzzword-Bingo der Digitalisierung sollten Sie nicht die Kanäle vergessen, die zwar alt und traditionell, damit aber anscheinend immer noch relevant sind. Ähnlich, wie Printwerbung für verschiedene Zielgruppen und Buyer Personas immer noch effektiver ist als die innovativste Online-Kampagne, kann auch der Teletext für das richtige Produkt und die richtige Kundenzielgruppe ein wertvolles Medium darstellen.

Dies gilt übrigens nicht nur für die 65+ Generation, auch die jüngere Zielgruppe der 20-49 Jährigen bewegt sich nach wie vor gerne in einem Mix von online und offline Kanälen.

Wenn ich Ihr Interesse für das Thema Customer Journey und „Moments that Matter“ nun wecken konnte, dann laden Sie sich doch hier unser kostenloses White Paper herunter.

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Sie hätten Interesse daran noch einen weiteren Kandidaten kennenzulernen, der im Zuge der Digitalen Transformation auf dem Abstellgleis gelandet ist? Dann schreiben Sie es gerne in den Kommentar dieses Artikels. Wir begeben uns dann gerne noch einmal auf Zeitreise in die Vergangenheit.

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