Chamäleon auf einem Kabel, halb türkis, halb pink gefärbt

Laut einer Studie des Österreichischen Handelsverbands und des Beratungsunternehmens EY hat die Corona-Krise in Österreichs Handel deutliche Spuren hinterlassen. Woran genau liegt das und worauf kommt es nun an?

An der HV/EY-Studie „Der österreichische Handel nach 15 Monaten Pandemie“ (PDF-Download) nahmen 136 österreichische Retail-Unternehmen teil, die Mitglied im Handelsverband sind. Die Studie soll die Folgen der Corona-Krise für die gesamte Branche über sämtliche Größenklassen und Warengruppen hinweg abbilden.

Auf einen Blick: In unserer Infografik haben wir alle Punkte für Sie zusammengefasst. Laden Sie sich hier das PDF herunter.

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Umsatzeinbrüche wohin das Auge reicht

Mehr als jedes zweite Unternehmen stellt einen Umsatzrückgang von über 25 % in den vergangenen 15 Monaten fest. Besonders hart hat es Geschäftszweige getroffen, die aufgrund der Restriktionsmaßnahmen mit langen Schließungen zu kämpfen hatten. Darunter zählen besonders Juweliere, Optiker und Fotoserviceanbieter (minus 39 %) und der Großhandel (minus 36 %).

Die negative Umsatzentwicklung wirkt sich auch auf das gesamte Geschäftsjahr 2021 aus. Demnach rechnen die Befragten mit einem Umsatzrückgang von 4 % im Vergleich zum Vorjahr. Welche Hebel können Unternehmen nutzen, um dem Rückgang entgegenzuwirken?

Der sinkenden Kundenfrequenz gegensteuern

Eine der Hauptursachen für den Rückgang der Umsätze ist die Kundenfrequenz. Bei fast acht von zehn Händlern ist diese während der Corona-Krise gesunken. Die Problematik liegt darin, dass sich das Kaufverhalten von Kunden verändert hat. Der stationäre Handel verliert aufgrund der Restriktionsmaßnahmen weiter an Stellenwert. Online kaufen Kunden hauptsächlich bei Marktführern wie Amazon ein. Auch im weiteren Verlauf des Jahres erwarten über die Hälfte der Händler keine Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung der Kundenfrequenz.

Für Händler kommt es deshalb darauf an, mit Regionalität und Authentizität zu punkten. Zwar rechnen 81 % der befragten Unternehmen damit, dass Online-Bestellungen weiterhin Bestand haben, doch gewinnen auch heimische Produkte und Dienstleistungen deutlich an Bedeutung. Über die Hälfte der Befragten verzeichnet eine erhöhte Nachfrage für regionale Produkte. Dies deckt sich übrigens auch mit Kundenbefragungen anderer Studien. So kaufen Schweizer Kunden bevorzugt online bei lokalen Anbietern und selbst global ist die Anfrage nach Lokalität bei der Wahl von Online-Händlern gestiegen.

Wichtig ist es deshalb, Kunden die Möglichkeit zu bieten, online beim Händler ihres Vertrauens einkaufen zu können. Insbesondere kleinere Unternehmen können dabei auch online mit Kundennähe überzeugen.


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Verwerfungen in der Lieferkette zum Vorteil machen

Eine weitere Herausforderung für die Händler sind Lieferschwierigkeiten. In zahlreichen Sektoren müssen Unternehmen mit Ausfällen oder Verzögerungen innerhalb der Lieferkette kämpfen. Vor allem hat es größere Handelsunternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als zwei Millionen Euro getroffen. 94 % der Händler geben an, mit Engpässen konfrontiert zu sein.

Dennoch sind die Lagerbestände durch Altwaren aufgrund der verringerten Kaufkraft der Kunden mehrheitlich gestiegen. Über ein Viertel der Händler verzeichnen sogar eine substanzielle Steigerung von über 25 % des Lagerbestandes, nur bei etwas mehr als einem Drittel der Unternehmen hatte die Pandemie keine nennenswerten Auswirkungen auf den Lagerbestand.

Durch die dynamische Pandemie-Situation kann sich das jedoch schnell ändern. Erhöht sich die Kaufkraft der Kunden, steigt auch die Nachfrage. Bleiben die Lieferengpässe bestehen, kann dies Händler vor Probleme stellen. Um Kunden trotzdem ein nahtloses Kauferlebnis bieten zu können, müssen die Lagerbestände deshalb in Echtzeit kalkuliert werden. Dafür bietet sich ein zentrales System an, in das Daten aus allen Beständen sowie sämtliche Zahlungen fließen. So wird die Agilität von Unternehmen gefördert und Händler können rechtzeitig auf Kundenbedürfnisse reagieren.

Auf Hybridkonzepte setzen

Die Änderung des Kundenverhaltens hin zum Online-Shopping zeigen laut der Studie keine schwerwiegenden Auswirkungen auf damit verbundene Filialschließungen. Trotz der Umsatzeinbrüche konnten immerhin 83 % der Retail-Unternehmen ihre Standorte halten. Während 4 % der Händler ihre Standorte ausbauen konnten, musste etwa jeder zehnte Standort geschlossen werden. Betroffen von Schließungen sind dabei insbesondere stationäre Filialen von großen Unternehmen.

Händler, die Filialen schließen mussten, haben häufig ihre Vermieter kontaktiert, um Mietzinsminderungen zu erwirken. Da dieses Vorgehen bei 38 % der Unternehmen erfolglos war, empfiehlt Studienherausgeber EY, das Filialportfolio und die Wertschöpfungskette generell zu hinterfragen. Dadurch soll die Profitabilität des Unternehmens langfristig gesichert werden. Dem Beratungsunternehmen zufolge ist es sinnvoll, auf Hybridkonzepte zu setzen.

Einige Händler wollen daher die Pandemie-Situation gezielt dafür ausnutzen, ihr Filialportfolio auszubauen oder zu variieren. Vor allem große Händler, die stationäre Filialen schließen mussten, wollen nun vermehrt auf besagte Hybridkonzepte setzen.

Fazit: Die Pandemie begünstigt die Digital-Transformation

Die Corona-Pandemie beschleunigt die Transformation des Handels in Richtung Digitalisierung. Dabei ändert sich das Kaufverhalten von Kunden, die immer häufiger auf den Online-Vertrieb zurückgreifen. Das belegt auch die HV/EY-Studie. Händler, die ihre Produkte zuvor rein stationär vertrieben haben, stehen eher vor Problemen, als reine Online-Händler – die es allerdings aufgrund der großen Konkurrenz ebenfalls schwer haben.

Es gilt demnach für auch für kleinere und mittelständische Unternehmen, sinnvolle Hybridkonzepte zu entwickeln, um die Potenziale von stationärem und Online-Handel nutzen zu können. So können gerade kleinere Händler durch Regionalität und Authentizität punkten, ohne den stationären Handel aufgeben zu müssen.


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Icon PersonMilos Kuhn ist Werkstudent im Corporate Communications-Team der ec4u. Er studiert aktuell Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien, Stuttgart.

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