Herz aus Euroschein gefaltet

Einer Umfrage der ING International Survey zufolge hängen Österreicher mehr an ihrem Bargeld als viele andere Europäer.

Auf einen Blick: Österreicher möchten zukünftig nicht auf ihr Bargeld verzichten. Vielleicht liegt diese Einstellung jedoch auch daran, dass in Österreich ausreichend bargeldlose Varianten fehlen bzw. umständlich sind. 

In der Umfrage wurden Nutzer aus unterschiedlichen Ländern zum bargeldlosen Einkaufen befragt (Quelle: ING via ots.at). Dabei wurden die Nutzer konkret gefragt, ob sie in Zukunft auf Bargeld verzichten könnten. Nur jeder zehnte österreichische Nutzer kann sich dies vorstellen. Im europäischen Durchschnitt könnte rund jeder fünfte Nutzer bargeldlos leben.

Dabei ist jedoch anzumerken, dass anscheinend keine Nutzer aus Schweden, Dänemark, Norwegen oder Finnland befragt wurden. Da in diesen Ländern das bargeldlose Zahlen teilweise bereits sehr fortgeschritten ist, würde ich vermuten, dass deren Umfrage-Ergebnisse den Durchschnitt zusätzlich deutlich erhöht hätten.

Selbst die junge Generation ist in Österreich nicht weitreichend digitaler. In der Gruppe der 18-34-Jährigen sprachen sich nur 17% für bargeldloses Zahlen aus. Das sind 5% weniger als der gesamte europäische Durchschnitt.

Österreich besteht auf Bargeld

Neu sind diese Ergebnisse übrigens nicht. Bereits 2017 zeigte der „World Payments Report 2017“ von Capgemini auf, dass das bargeldlose Zahlen in Österreich sogar rückläufig sei (Quelle: via Kurier).

Dem Global Payments Report 2018 der Boston Consulting Group zufolge nahm die Anzahl bargeldloser Zahlungen 2017 nur um 1,4% zu (PDF). Selbst in Deutschland – das ähnlich am Bargeld hängt – stieg die Nutzung um 3,4%. Im Durchschnitt hat 2017 jeder Österreicher 203 Mal bargeldlos bezahlt.

Im Vergleich dazu griffen Norweger über 500 Mal zu bargeldlosen Zahlungsmitteln und jenseits von Europa zahlten Bürger in Hong Kong sogar durchschnittlich 1800 Mal ohne Bargeld.

An der mangelnden Nutzung mobiler Banking-Angebote liegt es übrigens nicht, so Andreas Hamori, Head of Retail bei der ING in Österreich. „Aus der Marktforschung wissen wir, dass die Österreicher mobiles Banking stark nutzen. Das ersetzt aber nur physische Bankfilialen, nicht den Gang zum Bankautomaten.“ Das zeigt sich auch in den Produkten, die Österreicher am liebsten bar bezahlen. Besonders Restaurantbesuche, Lebensmitteleinkäufe und der Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel und Taxis wird bevorzugt bar bezahlt.

Wo kein Angebot, da keine Nachfrage

Gründe für die Zurückhaltung liegen derweil vielleicht nicht nur in der Liebe zum Bargeld, sondern vielmehr in den (mangelnden) Möglichkeiten zur bargeldlosen Zahlung. Solange beispielsweise das Zahlen via Karte oder Smartphone nicht in Cafès, Restaurants, Taxis oder öffentlichen Verkehrsmitteln angeboten wird oder zu umständlich ist, solange wird das Bargeld auch attraktiver für Nutzer sein.

Banken und Händler müssen hier dafür sorgen, dass das bargeldlose Zahlen auch attraktiv für den Kunden wird. Finanzunternehmen müssen hier zusätzlich auch die Bedürfnisse von Händlern und Anbietern berücksichtigen. Optionen zum bargeldlosen Zahlen müssen nicht nur dem Kunden gefallen, sondern sollten auch für Händler einfach in die jeweiligen Prozesse integrierbar sein.

Händler brauchen Incentives

Zusätzlich sollten die Kostenmodelle für die Händler ebenso attraktiv sein, wie für die Kunden. Lange Zeit weigerten sich viele kleinere Händler in Deutschland, Kartenzahlung zu akzeptieren, da sich die Transaktionsgebühren geringer Summen nicht lohnten. Da konnten Kunden direkt an der Kasse lesen, dass bei Geldwerten unter 10/20 Euro keine Kartenzahlung akzeptiert wurde. Haben Händler das Gefühl, sie würden nicht vom Angebot profitieren, so ergibt sich ein klassisches Henne & Ei-Problem:

  • Weniger Händler bieten bargeldloses Zahlen an.
  • Kunden haben negative Erfahrungen mit bargeldlosem Zahlen, da sie im Alltag dennoch zu oft auf Bargeld angewiesen sind.
  • Kunden fürchten daher den Verzicht auf Bargeld.
  • Händler und Finanzunternehmen werten dies als Beweis, dass Kunden keine bargeldlose Zahlung wollen.

Händler und Anbieter müssen derweil bargeldlose Prozesse – das schließt Online-Shopping mit ein – so gestalten, dass diese auch als unkomplizierter gegenüber Barzahlung bzw. Bankeinzug oder Rechnung wahrgenommen werden. Wenn unsicher ist, ob der Taxifahrer eine Kartenzahlung annimmt oder beim Bäcker der Kaffee auch via Mobile Pay bezahlt werden kann, wird Bargeld weiterhin als die sichere und unkomplizierte Alternative dominieren.


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