Grafik Mann sitzt im Home Office und arbeitet mit KollegInnen via virtuellem Meeting zusammen

2020 ist das Jahr, in dem das Home Office für viele Mitarbeitenden plötzlich zum Alltag geworden ist. Welche Vor- und Nachteile hat das Arbeiten von zuhause und welche Grundlagen müssen Unternehmen dafür schaffen?

Lange Zeit war es für viele Angestellte nahezu unmöglich, Home Office-Optionen im Unternehmen zu nutzen, besonders ältere Institutionen vertrauten dem selbstbestimmten Arbeiten von zuhause weniger und selbst in jüngeren Unternehmen war die Präsenz für Meetings oft Pflicht. Mit Covid-19 hat sich das schlagartig geändert. Aus der anfänglichen Krisensituation für Angestellte hat sich mittlerweile jedoch auch ein Vorteil entwickelt, denn für viele ist das Arbeiten von zuhause aus produktiver und angenehmer, ganz zu schweigen von der fehlenden Pendelzeit im Stau oder in vollen Bussen und Bahnen.

Macht das Home Office produktiver?

Eine Studie der Universität Konstanz, bei der 700 Erwerbstätige im Home Office während der Pandemie begleitet wurden, bestätigt, dass die Arbeit zuhause produktiver ist. Über 85 % der Angestellten schätzen ihre Arbeit als produktiv ein, was im Vergleich zur Präsenzarbeit sehr hohe Werte sind, wie Professor Florian Kunze im Interview mit allgaeuhit.de verrät.

Interessanterweise sind Arbeitnehmer bei diesen Themen sehr viel positiver gestimmt als die Arbeitgeber. Einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zufolge wurden im Oktober 1097 Unternehmen befragt. 27 % der Unternehmen meldeten eine geringere Produktivität und nur 5,7 % verzeichneten eine Steigerung. Dies beißt sich auch mit dem Ergebnis einer größeren DAK-Umfrage von 7000 Arbeitnehmern, die ähnlich der Befragung der Universität Konstanz herausfand, dass mehr Arbeitnehmer in der Selbsteinschätzung produktiver im Home Office sind.

Woran liegt die Diskrepanz?

Gründe kann es viele geben, nicht zuletzt würde sich hier die Nachfrage lohnen, was für Arbeitnehmer Produktivität bedeutet und was Arbeitgeber darunter verstehen. Ich würde nicht unterschätzen, wie viele Führungskräfte die Produktivität unter ganz anderen Kennzahlen messen als ihre Angestellten.

An erster Stelle muss jedoch berücksichtigt werden, dass es nicht um „normales“ Home Office geht, sondern um Home Office während einer weltweiten Pandemie. Dadurch wurden in vielen Fällen kurzfristig Änderungen notwendig. Entsprechend kann eine fehlende Produktivität auch daran liegen, dass es Unternehmen noch nicht ganz gelungen ist, die notwendigen organisatorischen, prozessualen und technischen Grundlagen zu bieten, um Remote Work zu ermöglichen, die dem Präsenzarbeiten ähnelt.

Einer Kurzumfrage der Future Work Group unter Schweizer Mitarbeitern zufolge hatte mehr als jedes zweite Unternehmen keine Infrastruktur zur digitalen Kommunikation aufgesetzt. Es lässt sich vermuten, dass es nicht nur in der Schweiz so aussieht.

Was gehört zu einer guten Ausstattung für Remote Work?

  • Ein guter Internetanschluss (hier können Unternehmen durch Zuschüsse für die privaten Internetanschlüsse unterstützen)
  • Laptops, Monitore und Smartphones (diese sollten alleine aus Datenschutzgründen vom Unternehmen gestellt werden)
  • Weitere Büroausstattung, wenn notwendig
  • Idealerweise cloudbasierte Software, um im Team miteinander zu arbeiten (via Chats, Datenablagen, CRM-Plattformen, etc.)
  • Einführung und Trainings zu Standards und Änderungen der Prozesse. Nicht alles kann 1:1 von Präsenzarbeit auf das Home Office übernommen werden

Für viele Unternehmen war Anfang des Jahres vielleicht noch „Neuland“, was den ein oder anderen fehlenden Prozess entschuldigte. Doch mittlerweile hatte jedes Unternehmen genug Zeit, um die Anforderungen an die Arbeitsprozesse im Home Office aufzunehmen und umzusetzen.


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Mitarbeitende dürfen mit ihren Sorgen nicht allein gelassen werden

Zusätzlich darf die emotionale Belastung der Pandemie, einschließlich von Social Distancing-Maßnahmen nicht unterschätzt werden. Unternehmen, die ignorieren, dass ihre Mitarbeiter auch über das Home Office hinaus aktuell einer enormen Stresssituation ausgesetzt sind, könnten hier schnell fehlende Produktivität alleine am Home Office festmachen.

So mussten viele Eltern in diesem Jahr ihre Kinder zuhause betreuen, da Schulen, Kindertagesstätten, aber auch andere Freizeiteinrichtungen geschlossen waren. Eine 100%ige Arbeitskraft von Mitarbeitenden zu erwarten, die inmitten einer globalen Pandemie zahlreichen zusätzlichen Verpflichtungen nachkommen müssen, ist nicht unbedingt im Sinne eines modernen, sozialbewussten Unternehmens.

So fand eine Studie von Oracle und Workplace Intelligence heraus, dass 52 % aller Befragten (darunter Mitarbeiter, Manager, HR-Leiter und Führungskräfte der C-Ebene) in diesem Jahr mehr Stress und Angst am Arbeitsplatz gespürt haben (Quelle: via industry-of-things.de). 68 % bestätigten, dass auch ihre psychische Gesundheit darunter gelitten hat. Zusätzlich sei die Arbeit für mehr als jeden Dritten belastend. 41 % wurden vom nicht zu schaffenden Arbeitspensum überfordert und 42 % hatten Schwierigkeiten mit der Einhaltung der Leistungsstandards.

Unternehmen müssen hier über technologisch und prozessuale Grundlagen hinaus Arbeitsbedingungen schaffen, die auch auf das physische und psychische Wohlbefinden der Arbeitnehmer einzahlen. Wer dieses stur ignoriert, verschlechtert die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der Mitarbeitenden. Andererseits verliert hier jedes Unternehmen einen notwendigen Wettbewerbsvorteil, wenn es um Fachkräfte, aber auch die Markenwahrnehmung geht. Wie Unternehmen nicht nur mit Kunden, sondern auch mit Mitarbeitenden während der Pandemie umgehen, rückt mehr in die Öffentlichkeit.

Was können Unternehmen tun, um Mitarbeitende zu unterstützen?

  • Raum und auch Zeit schaffen, um das normale Miteinander zu fördern, etwa durch virtuelle Kaffeerunden oder mehr Platz für Small Talk in Meetings. So kann beispielsweise jeder zu Beginn eines Meetings ein wenig über seinen Tag erzählen.
  • Vorgesetzte müssen genauer auf Signale ihrer Angestellten achten und häufiger 1:1-Gespräche initiieren. So können potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und besprochen werden.
  • Offene Feedback-Möglichkeiten, sei es über eine bestimmte E-Mail-Adresse, regelmäßige Umfragen oder andere Kanäle. Dadurch können auch Schwerpunkte und Ideen für die Prozessoptimierung gesammelt werden.
  • Grenzen festlegen und akzeptieren. Nur, weil plötzlich alle zuhause sind, heißt das nicht, dass sie eher außerhalb der Arbeitszeit erreicht werden. Ruhezeiten sollten entsprechend respektiert werden.
  • Flexible Arbeitszeiten sind gut, Gleitzeiten sind besser. Durch Gleitzeiten kann die Kommunikation untereinander gefördert werden und zumindest Rahmenbedingungen für den strukturierten Arbeitstag gelegt werden.
  • Mehr Kulanz bei privaten Notfällen und Rücksicht bei gesundheitlichen Problemen. Ein wenig mehr Menschlichkeit im professionellen Miteinander schadet niemanden.

Ein sehr spannendes Paper dazu liefert übrigens ifo, das hier als PDF heruntergeladen werden kann.


Auf unserer Infoseite bieten wir weitere Tipps, Methoden und Hinweise zum Thema Remote Work und Covid-19.

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  1. […] in der Pandemie befinden wir uns nicht in einer „normalen“ Home-Office Situation wie eine Studie von EC4U findet, sondern viele Mitarbeiter sind darüberhinaus stark belastet durch andere pandemiebedingte […]

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